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Die Dresdner Frauenkirche vom Turm der Kreuzkirche aus gesehen.

Rundgang

Fast jeder Zweite der jährlich über vier Millionen Übernachtungsgäste in Sachsens Landeshauptstadt Dresden erweist heute der Dresdner Frauenkirche die Ehre seines Besuches. Denn das weltberühmte Gotteshaus ist seit der Weihe 2005 nicht nur erneut Wahrzeichen und Krone der Stadtsilhouette von Elbflorenz. Wie in einem Kristall vereint dieses wunderbare Bauwerk höchst unterschiedliche Facetten: bürgerliche Prachtentfaltung im Barockzeitalter, handwerkliche Meisterschaft, sächsische Frömmigkeit, infernalische Zerstörung einer der schönsten Städte Europas im barbarischen II. Weltkrieg sowie die völkerverbindende Kraft des Neuanfangs und Wiederaufbaus. Um Sie auf die Besichtigung der Frauenkirche einzustimmen, soll Ihnen dieser kleine virtuelle Rundgang bereits einige erste Fakten und Impressionen vermitteln. Lassen Sie sich entführen in die Katakomben-Welt der Unterkirche, berauschen Sie sich an der Schönheit von Altar und Orgel, genießen Sie den Panoramablick vom Turm unter dem riesigen vergoldeten Kuppel-Kreuz! Doch nur wenn Sie selbst die Frauenkirche besuchen, werden Sie auch all die anderen Wunder aus Sandstein oder die Juwelen der Kuppel-Malerei bestaunen können.

Unterkirche

Wo einst 244 Tote ihrer Auferstehung harrten, empfängt seit 1996 die Unterkirche mit sorgsam gedämpftem Licht Besucher. Die Krypta wurde von Barockbaumeister George Bähr (1666 – 1738) in Form des griechischen Kreuzes (vier gleichschenklige Tonnen mit je 12 Meter Länge und 8 Meter Breite, 8 Meter mal 8 Meter großer Vierung mit 4,80 Meter hohem Korbbogengewölbe) angelegt. Zwischen den Kreuz-Armen fügte er diagonal die Grabgewölbe (je sechs Meter mal acht Meter groß) ein. Der einst in Raummitte existierende Schacht für die Absenkung der Särge wie auch die bis zu 30 Meter hohen Entlüftungsschächte wurden beim Wiederaufbau nicht mehr errichtet. Die zum Außenbauwerk führenden Gänge durchs 4,5 Meter dicke Fundament und die Treppenanlagen sind jüngste Hinzufügungen ohne historisches Vorbild. Das Gewölbe des zentralen Raumes dominiert heute der monumentale Altar – ein Monolith aus irischem Kalksandstein mit mittigem Trichter, der nur an der Oberfläche auf Hochglanz poliert ist. Die zu vielfachen Deutungen ermunternde Arbeit ist ein Werk des in Indien geborenen und seit Jahrzehnten in London lebenden jüdischen Künstlers Anish Kapoor (geb. 1954). Der Berliner Bildhauer Michael Schoenholtz (geb. 1937) ist Urheber der Raumgestaltung. Von ihm stammen z. B. auch die Entwürfe für die vier Kapellen („Andachts- und Meditationsraum“, „Raum der Grabsteine“, „Raum der Zerstörung“, „Nische der Hoffnung“), in welche man die ehemaligen Grablegen umwidmete.

Chorraum und Altar

Der gewaltige Kirchenbau mit einst 4000 Sitzplätzen gliedert sich heute in das durch einen Kreuzgang geteilte Kirchenschiff, die 48 Betstübchen im Erd- und Zwischengeschoss, die drei Emporen und den Altarraum. Betreten Sie die Frauenkirche, wird zuerst der imposante Chorraum Ihre Blicke gefangen nehmen. Er beginnt hinter der Chorbalustrade. Die Kanzel ist in der Chorschranke integriert. Hinter dieser steht der Taufstein. Zum zwölf Meter hohen und fast zehn Meter breiten Altar gehören u. a. der Altartisch (auf diesem steht ein Nagelkreuz von Coventry), vier Säulen nebst Kapitellen und das plastische Altarbild mit der Ölbergszene. Am 1. Dezember 1733 hatte der Dresdner Stadtrat beschlossen, dass der Altar „die Historie von Christio am Oehlberge“ darstellen soll. Bildhauer Johann Christian Feige und seine Gehilfen arbeiteten bis 1739 an dem Kunstwerk, welches der Orgel als Unterbau dient: In der Mitte kniet auf einem Hügel des Gartens Gethsemane der Heiland. Ein Engel im Sturzflug kommt als stärkender Bote Gottes zu ihm. Rechts erblickt man die schlafenden Jünger Petrus, Jakobus und Johannes. Den Hintergrund bilden die Stadt Jerusalem und der Garten, durch dessen Pforte Judas mit den Häschern eindringt. Über dem Ganzen schwebt eine große vergoldete Strahlenglorie. Zu beiden Seiten des Altars stehen zwei Apostelfiguren. Links Paulus mit dem Schwert und Moses mit den Gesetzestafeln. Rechts Philippus mit dem Kreuz und Aron, der erste Hohepriester des alten Testaments, mit den Räuchergefäßen. Dutzende Restauratoren, Steinmetze und Bildhauer um Vinzenz Wanitschke (1932 – 2012) ließen den Altar wieder in alter Pracht erstrahlen. Dabei verwendeten sie auch etwa 2000 aus dem Trümmerberg geborgene Einzelteile.

Orgel von Daniel Kern

Die alte Orgel der Dresdner Frauenkirche war das 39. Meisterwerk des sächsischen Hof- und Landorgelbauers Gottfried Silbermann (1683 – 1753) aus dem Erzgebirgsort Frauenstein. Lange Zeit war Silbermanns Frauenkirch-Orgel die größte im Kammerton in ganz Deutschland. Im Laufe der Zeit hatte man aber diverse Veränderungen vorgenommen. Gleich mit den Planungen des archäologischen Wiederaufbaus der Kirche Ende des 20. Jahrhunderts startete nicht nur die Spendensammlung für die Orgel. Es begannen unter Experten auch lebhafte Diskussionen um die Rekonstruktion der Silbermann-Orgel, die als „Dresdner Orgelstreit“ Schlagzeilen machten. Probleme bereitete dabei kaum der barocke, acht Meter hohe, Orgelprospekt über dem Altar. Entgegengesetzte Meinungen gab es jedoch zur klanglichen Gestalt. Mitte Februar 2003 gab die Stiftung Frauenkirche nach einstimmigem Beschluss bekannt, dass die Dresdner Frauenkirche eine moderne Orgel im barocken Gewand erhält. Der etwa 1,5 Millionen Euro umfassende Auftrag ging an die Straßburger Firma Daniel Kern. Dieser elsässische Orgelbauer ließ mit seinen 20 Mitarbeitern keine Silbermann-Kopie entstehen. Die Orgel verfügt heute über 4 Manuale, 67 Register und 4790 klingende Pfeifen. Damit klingt sie heller und voller. Es gibt allerdings eine historische Parallele: Gottfried Silbermann erlernte in Straßburg bei seinem Bruder Andreas das Orgel-Handwerk und arbeitete hier fast zehn Jahre, bevor er nach Sachsen zurückkehrte!

Turmaufstieg und Rundblick

Seit 2005 bietet sich von der Frauenkirche ein traumhafter Blick über die gesamte Altstadt und weit über den Elbtalkessel hinaus. Der Aufstieg in 68 Meter Höhe ist kostenpflichtig und nicht ganz einfach. Er beginnt am Eingang G. Per Lift gelangt man in 24 Meter Höhe. Von dort geht es weiter über Treppen zur sogenannten Wendelrampe, die stufenlos ist und eine Steigung von 14 Prozent aufweist. Dort umrunden Sie die äußere Kuppel zweieinhalb Mal. Über weitere Treppen, darunter eine steile Leitertreppe, erklimmen Sie dann die Aussichtsplattform. Auf ihr dürfen sich maximal 25 Personen gleichzeitig aufhalten. Die Besteigung des Turmes ist nur mit festem Schuhwerk möglich. Doch die Vielzahl der wiederkehrenden Besucher zeigt, dass die einzigartige Panoramasicht bei gutem Wetter Entschädigung für alle Mühen bietet. Von den Türmen des Meißner Domes bis zum König- und Lilienstein, von der Siemens-Chip-Fabrik bis zur Babisnauer Pappel kann man Dresden und die zauberhafte Umgebung sehen. Schon Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) beobachtete hier, von der Kur aus Karlsbad kommend, am 11. August 1813 den Sonnenuntergang.

Das Kuppelkreuz der Versöhnung

Am 13. Februar 2000 übergab Seine Königliche Hoheit Edward 2. Duke of Kent (geb. 1935), dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Stiftung Frauenkirche Dresden, Landesbischof Volker Kreß (geb. 1939), vor der Baustelle das neue Turmkreuz. Eine bewegende Geste: England schenkt der Stadt Dresden das etwa 4,60 Meter hohe, 1,25 Tonnen schwere und rund 500000 Euro teure Kreuz. Eine Kopie des zerstörten Kuppelkreuzes der Frauenkirche. Das Passionskreuz auf dem Kuppelturm der Frauenkirche ist Sinnbild für den Tod Christi am Kreuz, spricht Schulderlösung zu, bedeutet Glaubensheil. Kupferne Wolken verkünden die Wiederkehr Christi und das Gottesnamenszeichen in Gestalt der drei Jehova-Flammen symbolisiert die Dreieinigkeit – Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Äußerer und innerer Strahlenkranz bilden die Glorie. Als die schützende, Böses abwehrende, Kraft Gottes, die befreiende Kraft Christi wird das Schlingwerk gedeutet. Die Arkanthusblätter über dem Knopf stehen für den Lebensbaum aus dem Paradies. An der Herstellung des Kreuzes beteiligt war auch der Sohn eines englischen Bomberpiloten. Frank Smith war 31, als er mit seiner 57. Lancaster-Staffel 1945 Dresden vernichtete. „Mein Daddy hat die Zerstörung Dresdens nie verwunden. Mit dem Kreuz habe ich sein Vermächtnis erfüllt“, gestand im Jahre 2000 der 52-jährige Alan Smith. Er war damals Kunstschmied in der Silberschmiede Grant Mac Donald am Südufer der Themse, half das neue Kreuz zu fertigen.