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Der Goldene Reiter steht seit 1736 auf dem Neustädter Markt.

Sehenswürdigkeiten

Dresden zählt seit fast 300 Jahren zu den von Naturpracht und Kulturreichtum besonders gesegneten Refugien, zu einer der sehenswertesten und lebenswertesten Metropolen Europas, einem Barockarchitektur-, Musik- und Kunstzentrum Deutschlands. Im 18. Jahrhundert verlieh der Reiseabenteurer Karl Ludwig von Pöllnitz (1692 – 1775) der einstigen Residenz- und heutigen Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen sogar das Prädikat einer der schönsten Städte der Welt. Faszinierend die Lage im weiten Talkessel, durch den sich das blaue Band des Flusses schlängelt. Beeindruckend die das Tal umschließenden grünen Hügel und Rebhänge. Welch herrliche Panoramablicke genießt man von der Brühlschen Terrasse, der Südhöhe, von Rathaus- oder Frauenkirchturm. Wie angenehm ist es, durch den Zwinger oder die Gassen rund um den Neumarkt zu schlendern und Schönheiten zu genießen, die größtenteils schon vor Jahrhunderten so konzipiert wurden. In den Sandstein-Palästen gibt es Schätze der Menschheit zu bewundern, die nur Dresdens Museen in so überquellender Fülle vereinen. Spazieren Sie mit uns durch Elbflorenz, erleben Sie wie jährlich Millionen Touristen auf diesen Seiten die Wunder an beiden Ufern der Elbe.


Semperoper – Europas schönster Musentempel

Semperoper Dresden

Seit der Einweihung mit Carl Maria von Webers (1786 – 1826) „Freischütz“ 1985 empfängt eines der prächtigsten Opernhäuser Europas wieder in alter Schönheit Liebhaber von Musiktheater, Ballett und Konzerten – die Sächsische Staatsoper Dresden. Nach dem Erbauer Gottfried Semper (1803 – 1879) nennt man sie einfach nur Semperoper. Der Star-Architekt errichtete sie 1838/41 am Theaterplatz im Stil der italienischen Hochrenaissance. Jedoch brannte das 1750 Zuschauer fassende Gebäude am 29. September 1869 nieder. Nach einer Interimslösung leitete Sempers ältester Sohn Manfred (1838 – 1913) in den Jahren 1871/78 den Neubau. Das 82 Meter lange, 78 Meter breite und mit Bühnenhaus 42 Meter hohe Gebäude gilt durch seine Vereinigung von Schönheit und Zweckmäßigkeit als Höhepunkt der Theaterarchitektur des 19. Jahrhunderts. Unter den Dirigenten Ernst Edler von Schuch (1846 – 1914), Fritz Busch (1890 – 1951) und Karl Böhm (1894 – 1981) erlebte die Dresdner Oper bis 1942 ihre legendäre Glanzzeit. Am 13./14. Februar 1945 zerstört, wurde das Haus ab 1977 unter Chefarchitekt Wolfgang Hänsch (geb. 1929) originalgetreu in der Semperschen Fassung wieder aufgebaut. Neu hinzu kamen moderne Funktionsgebäude, die über Brücken mit der Oper verbunden sind. Intendanten seit 1984: 1984 – 1990 Max Gerd Schönfelder (1936 – 2000), 1991 – 2003 Christoph Albrecht (geb. 1944), 2003 – 2010 Gerd Uecker (geb. 1946), 2010 – 2012 Ulrike Hessler (1955 – 2012), seit 2014 Serge Dorny (geb. 1962).


Zwinger – Festplatz und Schatz-Depot der Superlative

Zwinger Dresden

1709/32 entstanden, gilt der Zwinger als Juwel barocker Baukunst. Der Name leitet sich aus der Festungsarchitektur ab, die mit Zwinger den Raum zwischen äußerer und innerer Befestigungsmauer einer Stadt definiert. Tatsächlich steht die Frontseite (Kronentor) auf der äußeren Festungsmauer. Der unvergleichliche Sandsteinbau mit seinem Wechselspiel von Architektur und Plastik geht auf den kreativsten Geist der Wettiner, Kurfürst Friedrich August I. (1670 – 1733), zurück. Anfänglich plante er hier ein auf Terrassen angelegtes Winterquartier für seine über 1000 Orangenbäume. Dann favorisierte der Monarch ein hölzernes Amphitheater mit Arkadengalerien und Pavillons, aus dem schließlich der den Festplatz umrahmende Steinbau wurde. Zwei Virtuosen ihres Faches setzten Augusts Ideen mit anderen Künstlern in die Tat um: Architekt Daniel Pöppelmann (1662 – 1736) und Bildhauer Balthasar Permoser (1651 – 1732)! Noch unfertig, jedoch durch Kulissen kaschiert, erlebte das Prunk-Ensemble seine Premiere bei den Vermählungsfeierlichkeiten des Kurprinzen Friedrich August II. (1696 – 1763) mit Erzherzogin Maria Josepha (1699 – 1757), der Tochter Kaiser Josephs I. (1678 – 1711), im Jahre 1719. Im Jahre 1732 war eine symmetrische Anlage mit vier rechteckigen und zwei runden Pavillons (jeweils zwei Stockwerke) entstanden, die eingeschossige Bogengalerien um den 204 mal 107 Meter großen Hof verbinden. Wasserspiele und sogar ein Wassertheater – das Nymphenbad –, Treppenanlagen und ein grandioses Programm von rund 600 Figuren (u. a. Satyrn, Faune, Putten, Götter, Helden, Nymphen, Vasen) vervollständigen den Zauber dieses Gesamtkunstwerks. Ab 1728 begann die Nutzung als Museum (heute u. a. Mathematisch-Physikalischer Salon und Porzellansammlung). Da der Zwinger ursprünglich als Teil eines neuen Schlosskomplexes gedacht war, hatte man die Elbseite offen gelassen. Der Lückenschluss erfolgte 1847/55 durch Gottfried Semper (1803 – 1879) mit dem Museumsbau, der die Gemäldegalerie Alte Meister beherbergt. Mit an den Dresdner Barock erinnernder Fassade wurde 1912/13 gegenüber dem Zwinger das Schauspielhaus als siebengeschossiges Gebäude(zwei unter der Erde) errichtet. Bis heute wurde der Zwinger bereits sechs Mal wieder aufgebaut, umgebaut bzw. rekonstruiert. Die schlimmsten Zerstörungen erlitt er im Inferno 1945, welche man erst 1963 beseitigen konnte.

Kleiner Rundgang Semperoper außen und innen
Semperoper Dresden

1871/78 aus Elbsandstein errichtet, nimmt die Semperoper mit ihrer überreichen Ausstattung an Marmor, Stuck und Gold unter den berühmtesten Theaterbauten einen Spitzenplatz ein. Weil Gottfried Sempers (1803 – 1879) erste – mitten auf dem Theaterplatz stehende – Schöpfung durch Fahrlässigkeit abbrannte, ist dies seine zweite Oper in Dresden. Dem Gebäude liegen Ideen zugrunde, die er für ein in München nicht ausgeführtes Wagner-Festspielhaus entwickelt hatte.

Semperoper Dresden vom Dach der Kathedrale aus.

Europas wohl schönste Oper und davor das 1889 eingeweihte Reiterstandbild von Sachsen-König Johann (1801 – 1873) auf dem Theaterplatz. Der triumphtorartige Haupteingang, die Panther-Quadriga, das turmartig aufragende Bühnenhaus mit klassischen Dreiecksgiebeln und der überquellende Figurenschmuck gehören zum unverwechselbaren Zauber dieses einzigartigen Monumentalbaus.

Semperoper Quadriga

Die Pantherquadriga aus Bronzeguss von Bildhauer-Genie Johannes Schilling (1828 – 1910) als Bekrönung der Exedra der Hauptfassade. In den Jahren 1871/77 schuf Schilling diese doppelt lebensgroße Gruppe: Bacchus und Ariadne (3,05 Meter groß) stehen auf einem Sonnenwagen des Helios, welcher von vier galoppierenden Panthern (je zwei Meter hoch) gezogen wird.

Rückfassade mit den Allegorien Friede und Gerechtigkeit Kopf Sempers.

An der Rückfassade des Opernhauses befindet sich ein kleiner Porträtkopf von Architekt Gottfried Semper (1803 – 1879). Die Plastik seines zweiten Sohnes Emanuel Semper zeigt den Vater unter dem Sächsischen Königswappen, das von den Allegorien Friede und Gerechtigkeit flankiert wird.

Konzert Staatskapelle.

Szenerie vom vierten Rang auf Zuschauerraum und Bühne bei einem Konzert. Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle sitzen vor dem Bühnenvorhang von Ferdinand Keller (1842 – 1922). Er symbolisiert die geflügelte Göttin Phantasie mit brennender Fackel auf dem Thron. Neben ihr die flankierenden Musen Dichtkunst und Musik. Den Saum des Schmuckvorhanges zieren Porträtmedaillons berühmter Dichter und Komponisten.

Semperoper Oberes Rundfoyer Apollon Gemälde von Theodor Große Rekonstruktion.

„Apollon und der Schwan“. Dieses Deckengemälde im oberen Rundfoyer von Theodor Große (1829 – 1891), rekonstruiert von Egon Pukall (1934 – 1989), gehört zum reichhaltigen ikonographischen Programm der Semperoper. 169 Kunstwerke – vorwiegend der Malerei und Plastik – deuten u. a. Konflikte der Antike und Moderne an, versinnbildlichen die Macht der Musik, erzählen die Geschichte der dramatischen Künste, machen mit berühmten Dichtern, Komponisten, Schauspielern und Sängern vertraut.

Semperoper Oberes Rundfoyer.

Oberes Rundfoyer, das Semper nach den Schlossgalerien des Barock konzipierte: mit seitlichen Vestibülen und frei vor die Wand gestellten ionischen Säulen in grünem Kunstmarmor sowie hellgrauen korinthischen Dreiviertelsäulen. Durch die Rundbogenfester bieten sich reizvolle Sichten auf den Theaterplatz und die Elblandschaft.

Semperoper Oberes Vestibül an der Zwingerseite.

Blick ins obere Vestibül (Zwingerseite). Die als dreischiffige, kreuzgratgewölbte Hallen über ionischen Säulenpaaren ausgeführten Vestibüle erinnern an die Loggien des Vatikans und Paläste in Genua. Grüne, Cipollinomarmor vortäuschende, Schäfte der Säulen und Pilaster bilden einen eindrucksvollen Kontrast zu den in Violett und Ocker ausgemalten Wänden. Landschaftsbilder in den Lünetten, farbiger „Grotesk-Schmuck“ und durch Friese gegliederte Terrazzo-Fußböden verleihen dem Ensemble einen faszinierenden Charme.

Sächsische Staatskapelle
Semperoper Dresden

In der Semperoper hat die Sächsische Staatskapelle – ein weltweit anerkanntes Spitzenorchester – sein Zuhause. Richard Strauss (1864 – 1949) nannte es seine „Wunderharfe“. Die Geschichte des Orchesters (145 Musiker) mit jährlichen Tournee-Verpflichtungen auf fast allen Kontinenten und 230 Aufführungen in Dresden geht bis zum Jahre 1548, dem Gründungsjahr der Dresdner Hofkapelle als „Cantorei“, zurück. Hier waren im Laufe der Jahrhunderte neben den bereits genannten u. a. Heinrich Schütz (1585 – 1672), Franz Konwitschny (1901 – 1962), Otmar Suitner (1922 – 2010), Kurt Sanderling (1912 – 2011) oder Herbert Blomstedt (geb. 1927) Kapellmeister. Chefdirigenten seit 1985: 1985 – 1990 Hans Vonk (1942 – 2004), 1992 - 2001 Giuseppe Sinopoli (1946 – 2001), 2001 – 2002 Semyon Bychkov (geb. 1952), 2002 – 2004 Bernard Haitink (geb. 1929), 2004 – 2012 Fabio Luisi (geb. 1959), seit 2012 Christian Thielemann (geb. 1959).

Semperoper Ballett
Semperoper Dresden

Ballettaufführungen haben am Dresdner Fürstenhof seit dem 17. Jahrhundert Tradition. Doch erst Carl Maria von Weber ist die Festanstellung eines Ballettensembles am Dresdner Hoftheater zu verdanken. Die erste Blütezeit erlebte es unter der Leitung der Ballettmeisterin Ellen Cleve-Petz (geb. 1893 – 1970) in den 1920-er Jahren. Nach der Zerstörung des Opernhauses am 13./14. Februar 1945 wich das Ensemble vorübergehend auf andere Spielstätten aus. In den 1950er und 1960er Jahren förderte vor allem Tom Schilling (geb. 1928) das Dresdner Ballett. 1978 – 1993 prägte es Harald Wandtke. Von 1993 bis 2006 war der Russe Vladimir Derevianko (geb. 1959) Ballettdirektor. Ihm folgt seit 2006 der Kanadier Aron S. Watkin (geb. 1970). Die Company umfasst heute 80 Spitzen-Tänzer, die von fast allen Kontinenten stammen.

Semperoper Dresden

Das klassische Ballett „Dornröschen“ an der Semperoper. Die Musik von Peter I. Tschaikowski (1840 – 1891) spielt die Sächsische Staatskapelle. Die Choreographie stammt von Aaron S. Watkin (geb. 1970), das Bühnenbild schuf Arne Walther (geb. 1971).

Semperopernball
Semperoper Dresden

Einmal im Jahr, beim SemperOpernball, werden Parkett und Bühne in einen der schönsten Ballsäle der Welt verwandelt. Eine Tradition vor dem II. Weltkrieg (1925 bis 1929 und 1933 bis 1939) aufgreifend, findet das glamouröse Ereignis unter dem künstlerischen Gesamtleiter Prof. Hans-Joachim Frey (geb. 1965) mit ca. 2200 Gästen seit 2006 wieder jährlich statt und bezieht etwa 10 000 Dresdner beim Semper-Opern-Air-Ball vor der Oper mit ein. Der Ball, der im Wettbewerb mit dem weltberühmten Wiener Opernball steht und mittlerweile auch dessen Karten- und Logenpreise erreicht, wird live vom Fernsehen übertragen. Zum Programm gehören ein Showteil mit Weltstars und der Sächsischen Staatskapelle sowie die Eröffnung durch rund 80 Debütanten-Paare. Einzigartig ist die Verleihung des Dresdner St. Georgs Ordens aus massivem Gold an jeweils mehrere anwesende Persönlichkeiten von Weltgeltung. Zu ihnen zählten u. a. Russlands Präsident Wladimir Putin (geb. 1952), Ex-Bundespräsident Roman Herzog (geb. 1934), die Sänger José Carreras (geb. 1946), Michael Jackson (durch Schwester La Toya Jackson, geb. 1956, in Empfang genommen) und Bob Geldof (geb. 1951), die Schauspieler Armin Mueller-Stahl (geb. 1930), Maximilian Schell (geb. 1930), Ornella Mutti (geb. 1955), Sir Roger Moore (geb. 1927), Gérard Depardieu (geb. 1948) oder die Fußballer Franz Beckenbauer (geb. 1945) und Michael Ballack (geb. 1976).

Semperoper Dresden

Etwa 10 000 Dresdner feiern draußen vor der Oper beim Semper-Open-Air-Ball.

Italienisches Dörfchen
Italienisches Dörfchen

Neben der Semperoper befindet sich am Theaterplatz seit 1911/13 ein repräsentativer Sandsteinbau, den Stadtbaurat Hans Erlwein (1872 – 1914) entwarf: das „Italienische Dörfchen“. Zu dieser von Touristen besonders beliebten Gaststätte mit Terrasse an der Elbe gehört auch das zum Ensemble zählende Basteischlösschen (erbaut 1910) über der Straße am Terrassenufer. Der Name Italienisches Dörfchen geht auf die Erbauung der Katholischen Hofkirche in den Jahren 1739 – 1759 durch Gaetano Chiaveri (1689 – 1770) zurück. Der italienische Architekt ließ zahlreiche Handwerker und Künstler aus Italien kommen, die während der Zeit der Dombauarbeiten auf dem steilen Ufer des Elbbogens in kleinen Häuschen wohnten. Der Dresdner Volksmund nannte diese fremdländische Siedlung bald „Italienisches Dörfchen“. Mit der Erbauung des Königlichen Hoftheaters wurde sie bis auf einige hier entstandene Wirtshäuser abgerissen. Im Namen eines Restaurants – in diesem gründete sich 1861 auch der Verein zur Pflege der freien Rede „Polyhymnia“ – lebte der Traditionsname fort.

Altstädter Hauptwache
Altstädter Hauptwache

Auch Altstädter Wache, Schinkelwache oder Neue Hauptwache bezeichnet, ist die Altstädter Hauptwache auf dem Theaterplatz heute Freunden von Konzerten, Oper, Ballett und Sprechtheater durch die hier befindliche zentrale Theaterkasse und ein Café bekannt. Außerhalb der Dresdner Bautradition stehend, zeigt sich der Stil des Berliner Klassizismus bzw. der Schinkelschule. Karl Friedrich Schinkel (1781 – 1841) lieferte auch den Entwurf, nach welchem Joseph Thürmer (1789 – 1833) den Bau als städtische Polizeiwache in den Jahren 1830 bis 1832 ausführte. Als erstes Gebäude der Stadt wurde es nach dem Vorbild eines Ionischen Tempels massiv aus Cottaer Sandstein errichtet und fügt sich gleichermaßen eindrucksvoll wie unaufdringlich grazil in die umgebenden Baulichkeiten ein. Den dreieckigen Flachgiebel der Südostfront ziert die Saxonia von Joseph Herrmann (1800 – 1869), den Nordwestgiebel ein Mars von Franz Pettrich (1770 – 1844). Seit dem Inferno von 1945 ist es der einzige Schinkelbau Dresdens.

Kleiner Rundgang Zwinger (außen)
Kronentor

Kronentor und Langgalerien des Zwingers bei Nacht. Dieses architektonische Meisterwerk, das mit seiner einmaligen Gestalt in Europa nichts Vergleichbares kennt, gilt als Symbol des sächsischen Barock unter Kurfürst Friedrich August I. (1670 – 1733). Der Monarch konzipierte dieses Bauwerk als einen Festplatz für Ritterspiele und Lustbarkeiten des Hofes wie Bälle, Opern und Komödien, Damen-Rennen oder Schlittenfahrten.

Langgalerien mit Kronentor von Ostra-Allee

Zwinger von der Ostra-Allee gesehen. Gegen Einwände der Militärs ließ August der Starke die südliche Abgrenzung seines Ensembles ab 1709 direkt hinter dem Stadtgraben mitten auf der Festungsmauer errichten. Für das Kronentor wurde 1714 die Mauer sogar durchbrochen. Statt einer massiven Steinbrücke über den Wassergraben beschränkte man sich allerdings auf einen Holzsteg, der sich in Kriegszeiten schnell beseitigen ließ.

Kronentor Bacchus

Weingott Bacchus mit dem Satyrknaben steht in einer Nische rechts am Kronentor (Grabenseite) – eine Sandsteinplastik aus der Werkstatt von Balthasar Permoser (1651 – 1732), der 1689 nach Dresden kam. Vom berühmten Barock-Bildhauer stammen auch die anderen drei Nischenfiguren des Prachttores: Ceres, Vulkan und Pomona.

Kronentor Bacchus

Das mit graziler Leichtigkeit emporstrebende Kronentor (von der Hofseite gesehen) erinnert an antike Triumphbögen. Über einem Kranz von zwölf lebensgroßen Figuren und Vasen reckt sich die zwiebelförmige Kupferkuppel, deren Kanten mit kupfervergoldeten Arkantusblättern besetzt sind. An deren Spitze sieht man vier in Kupfer getriebene und vergoldete polnische Adler unter der Krone Polens.

Zwinger Blick in Innenhof Richtung Wallpavillon

Blick von der oberen Galerie zwischen Stadtpavillon (Glockenspielpavillon) und Deutschem Pavillon (vorn rechts) auf den Zwingerhof mit Wallpavillon und Französischem Pavillon (hinten rechts).

Nördliche Bogengalerie Faunkopf

Dieser Faunkopf wächst scheinbar aus dem Stein der nördlichen Bogengalerie heraus. Wie ein kostbares Rankenwerk umziehen Hunderte Plastiken, von denen sich keine wiederholt, den Bau.

Zwinger Wallpavilloin mit Atlas auf dem Dach

Über eine imposante Treppenanlage gelangt man durch den Wallpavillon mit seinen konkav geschwungenen Zwischenwänden auf den Wall der früheren Befestigungsanlage. Um die prächtige Mittelkartusche des Obergeschosses gruppieren sich Gestalten aus der Mythologie. Die linke Figur stellt jedoch August den Starken als Prinz Paris mit der polnischen Königskrone neben Venus dar. Auf dem Dach reckt sich der Hercules Saxonicus.

Wallpavillon Hercules Saxonicus

Hercules Saxonicus trägt die Weltenkugel. Im frühen 18. Jahrhundert war jedermann klar, dass mit Hercules August der Starke gemeint war. Nach diesem nennt man jene Epoche sächsischer Geschichte auch Augusteisches Zeitalter.

Zwingerhof

Vom Zwingerhof mit seinen Wasserbecken und Fontänen schauen wir auf Wallpavillon und Französischen Pavillon (rechts). Der spiegelbildlich zum Mathematisch-Pysikalischen Salon errichtete Pavillon verdankt seinen Namen französischen Gemälden, die dort bis 1945 ausgestellt waren.

Nymphenbad

Kaskade im Nymphenbad, das als Grottensaal und Wassertheater gestaltet wurde. Wie der ganze Zwinger konstruierte es Matthäus Daniel Pöppelmann (1662 – 1736) als eine Art Baukastensystem aus Sandstein. Dies stellt bei der Sanierung einen großen Vorteil dar, da Einzelteile herausgenommen und anschließend wieder eingesetzt werden können. Der ständig notwendigen Werterhaltung des Bauwerkes widmet sich seit 1924 (mit Unterbrechungen) die 1991 wieder gegründete Zwingerbauhütte.

Delphinbrunnen

Delphinbrunnen im Nymphenbad. Zu den barocken Spielereien zählte in der Entstehungszeit sogar ein heute nicht mehr vorhandener Wasserkäfig, der Besucher mit einem Netz von Wasserstrahlen am Weitergehen hinderte.

Brunnen-Details

Zum reichen plastischen Figurenschmuck des Nymphenbades gehören auch Neptun und Amphitrite.

Blick auf Zwinger, Hofkirche, Schloss und Frauenkirche

Der östliche Zwingerteil am Postplatz mit Langgalerie, Porzellanpavillon (vorn), Stadtpavillon und Deutschem Pavillon. Hier ist die Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen untergebracht.

Semperbau

127 Meter lang und fast 24 Meter hoch ist der Museumsbau für die Gemäldegalerie Alte Meister. 1847/55 durch Gottfried Semper (1803 – 1879) im Stil der Hochrenaissance gestaltet, schließt er den Zwinger zur Elbe hin ab. Ein besonderer architektonischer Akzent ist der dreifache Portikus des Mittelrisalits in Triumphbogenform, durch welchen man das Reiterstandbild auf dem Theaterplatz sieht.

Gemäldegalerie Alte Meister
Sixtinische Madonna
Die weltberühmte Sixtinische Madonna von Raffaelo Santi (1483 – 1520). Das 2,69 mal 2,01 Meter große Ölgemälde ist die Hauptattraktion der Alten Meister.

Die seit 1754 in Dresden zu bewundernde „Sixtinische Madonna“ des italienischen Hochrenaissance-Malers Raffael oder Raffaelo Santi (1483 – 1520) mit ihren tausendfach auf Souvenirs kopierten Engeln ist das herausragende Kunstwerk der Gemäldegalerie Alte Meister. Sie befindet sich in der Sempergalerie des Zwingers. Mit etwa 750 präsentierten Meisterwerken des 15. bis 18. Jahrhunderts zählen die Alten Meister zu den weltweit wichtigsten Sammlungen. Schwerpunkte sind die italienischen Maler der Renaissance, holländische und flämische Maler des 17. Jahrhunderts sowie altdeutsche und altniederländische Malerei. Als Gründer gilt Kurfürst August I. (1526 – 1586), der 1560 mit seiner Kunstkammer den Kristallisationskern für alle großen Staatssammlungen Dresdens legte und in ihr auch Malerei beherbergte. Systematische Sammeltätigkeit und Ankäufe ganzer Gemälde-Kollektionen waren jedoch erst unter den sächsischen Kurfürsten Friedrich August I., dem Starken (1670 – 1733) sowie seinem Sohn Friedrich August II. (1696 – 1763) zu verzeichnen. Als herausragende Erwerbung gilt 1746 der Kauf 100 der besten Werke aus der Sammlung des Herzogs Francesco III. (1698 – 1780) von Modena. Seit 1747 präsentierte das Herrscherhaus seine Sammlung im dafür extra umgebauten Stallgebäude am Neumarkt. Mit dem nordseitigen Zwingerabschluss konnte das „Neue Königliche Museum zu Dresden“ 1855 in der Sempergalerie eröffnen. Die aus Platzgründen notwendig gewordene Separierung moderner Kunst des 20. Jahrhunderts führte schließlich zur Gründung der Galerie Neue Meister, welche heute im Albertinum auf der Brühlschen Terrasse ihre Heimstatt hat. Im Laufe des II. Weltkrieges erfolgte die konservatorisch betreute Evakuierung der Gemälde u.a. in ein Kalkbergwerk und einen Tunnel der Sandsteinwerke in der Sächsischen Schweiz. Die nach Kriegsende von einer Trophäenkommission als Beutekunst in die Sowjetunion verschleppten Bilder kehrten erst nach 1955 an ihren Ursprungsort zurück. Trotzdem gelten bis heute 206 Gemälde als zerstört und 450 als vermisst.

Ausgewählte Gemälde der Alten Meister
Tizian (1477 - 1576)  Der Zinsgroschen

Tizian (1477 – 1576): Der Zinsgroschen Diese kleine Holztafel von 1516 war einst in eine Schranktür im Arbeitszimmer des Herzogs Alfons I. von Ferrara (1476 – 1534) eingelassen. Sie symbolisiert, was die biblische Geschichte vom Zinsgroschen lehrt: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ 1745 kam das Gemälde mit den hundert besten Bildern der mondenesischen Sammlung nach Dresden.

Raffael 1483 - 1520 Die Sixtinische Madonna

Raffael (1483 – 1520): Die Sixtinische Madonna Der große Raffael malte diesen Schatz von Weltgeltung 1512/13 für den Hauptaltar der Benediktinerkirche S. Sisto in Piacenza, deren Titelheiliger, der Märtyrerpapst Sixtus II. (gest. 258) deswegen auf dem Werk anzubringen war. Die Madonna schreitet aus der Tiefe des Raumes von rechts nach links. Das Kind hat etwas Überirdisches. Die zwei Engelknaben geben auf alles acht, was sich oben zuträgt. Für 20 000 Dukaten wurde das Gemälde 1754 an Sachsens Kurfürst verkauft.

Salomon Koninck 1609 - 1656 Der Eremit

Salomon Koninck (1609 – 1656): Der Eremit Vor einem braunen Waldgebüsch sitzt ein graubrauner, lebensgroßer Einsiedler. Haar und Bart, die Falten des durchfurchten Gesichtes, die Adern auf der stützenden Hand, das vom vielen Lesen abgenutzte Buch mit seinen schlaff gewordenen Einbanddecken und den eng beschriebenen Seiten – ein Meisterstück des Amsterdamer Malers und Radierers!

Rembrandt van Rijn 1606 – 1669 Selbstbildnis mit Frau Saskia

Rembrandt van Rijn (1606 – 1669): Selbstbildnis mit seiner Frau Saskia Oft hat Rembrandt sich und seine Saskia dargestellt, einige Male auch in Doppelbildnissen. Er hat sich hier um 1637 als Offizier kostümiert, wie er es liebte, mit Degen und Federhut; lachend hebt er sein Stengelglas in die Höhe. Sie sitzt auf seinem Schoß in reicher Kleidung, rot und hellblau, dazwischen steht vielerlei Gelb und Braun. Auf dem Frühstückstisch prangt eine Pfauenpastete. Saskia war nicht hübsch und ihr Blick ist beinahe apathisch. Ihres Gatten lustiger Ausdruck dagegen hat etwas Gezwungenes, denn Rembrandt war in Wirklichkeit kein lustiger Mann.

Jan Davidz de Heem 1606 – 1683 o 84 Das große Stillleben mit dem Vogelnest

Jan Davidsz de Heem (1606 – 1683/84): Das große Stillleben mit dem Vogelnest Der größte Blumenmaler von Holland war Jan Davidsz de Heem aus Utrecht, der 36-jährig nach Antwerpen zog. Seine Werke gingen früh ins Ausland und finden sich in allen großen Sammlungen Europas. Dieses Früchtestück ist besonders opulent. Die Anordnung um altes Mauerwerk mit Durchblick ins Freie gibt dem Ganzen Festigkeit. Jede Frucht zeigt ihre Art, jedes Blatt und jeder Halm kommt zu seinem Recht. Dazu fliegende und kriechende Tiere: Schmetterlinge, Schnecken, Ameisen.

Lorenzo Lotto um 1480 – nach 1556 Maria mit dem Kinde uns Johannes

Lorenzo Lotto (1480 – 1557): Maria mit dem Kinde und Johannes Dieses 1518 erschaffene Gemälde schrieb 1887 der erste wissenschaftliche Katalog der Dresdner Sammlung Lorenzo Lotto zu. Es muss in der Zeit seines Aufenthaltes in Bergamo (1513 bis 1525) entstanden sein. Lottos Gestalten sind oft ruhig und schwermütig, manchmal lebhaft bewegt bis zum Stürmischen, oft von weichem Liebreiz. So malte damals kaum ein anderer Venezianer.

Francisco de Zurbaran 1598 – 1662 Bonaventuras Gebet während einer Papstwahl

Francisco de Zurbaran (1598 – 1664): Bonaventuras Gebet während einer Papstwahl Zurbaran wird als einer der größten spanischen Maler bezeichnet. Seine Mönchstypen sind gewöhnlich furchtbar ernst. Sein 1628/29 entstandene Großformat zeigt eine Situation beim Konklave 1271. Als sich die Kardinäle nicht über die Wahl des neuen Papstes einigen konnten, überließen sie die Entscheidung dem Franziskanermönch Bonaventura. Diesem erschien beim Gebet ein Engel und nannte den Namen Tebald Visconti (1210 – 1276). Dieser wurde als Gregor X. gewählt und saß von 1271 bis 1276 auf dem Heiligen Stuhl.

Hans Holbein der Jüngere 1497 – 1543 Bildnis des Morette

Hans Holbein der Jüngere (1497/98 – 1543): Bildnis des Morette Die Wirkkraft seiner Bildnisse lässt uns den jüngeren Holbein unter die größten Maler aller Zeiten rechnen. Die 1534/35 entstandene und 1746 aus der herzoglichen Sammlung in Modena nach Dresden gekommene Eichenholztafel mit dem Porträt des Charles de Solier, Sieur de Morette (1480/81 – 1564) zeigt Holbeins Genie in Gesamtkomposition und den alle Feinheiten berücksichtigenden Details. Der Porträtierte stammte aus Asti in Piemont, diente als Soldat und Diplomat vier französischen Königen. Holbein malte ihn, als er französischer Gesandter in England war.

Jean Étienne Liotard 1702 – 1789 Das Schokoladenmädchen

Jean Étienne Liotard (1702 – 1789): Das Schokoladenmädchen Das Wiener Stubenmädchen mit der Schokoladentasse ist eine eine 1743 bis 1745 entstandene Pastellmalerei auf Pergament des Genfer Pastell- und Emailmalers. Francesco Graf von Algarotti (1712 – 1764) kaufte sie 1745 in Venedig im Auftrag des sächsischen Kurfürsten. Seit 1855 war das Schokoladenmädchen ausgestellt. Im II. Weltkrieg lagerten es die Kunstsammlungen in eine Kasematte der Festung Königstein aus. Dort spürte es die Trophäenkommission der Roten Armee auf und verbrachte das Hauptwerk in die Sowjetunion. 1955 erfolgte die Rückgabe an die damalige DDR. Seit 1883 war das Schokoladenmädchen eingetragenes Warenzeichen für „Baker’s“ Kakao aus den USA. In der Folgezeit verwandten z. B. auch die Firmen Droste (Holland), H. de Jong Wormerveer (Holland) und Van Houten (Niederlande) das Gemälde in abgewandelter Form als eigene Markenzeichen.

Anton Graff 1736 – 1813 Selbstbildnis in ganzer Gestalt

Anton Graff (1736 – 1813): Selbstbildnis in ganzer Gestalt Graff aus Winterthur lebte seit 1766 als Lehrer und seit 1789 als Professor der Kunstakademie in Dresden. Er malte viele Berühmtheiten seiner Zeit und gab sein Werk selbst mit 1240 Gemälden an, von denen um 1900 etwa noch 300 nachweisbar waren. Das Selbstbildnis des 58-Jährigen gilt als höchst gelungen wegen der lässig freien Haltung des quer über den Stuhl gesetzten Körpers mit seinem den Betrachter ansprechendem Gesicht. Die Harmonie der Farben ist fein abgestimmt, die Figur plastisch durchmodelliert.

Antonius van Dyck 1599 – 1641 Die Kinder Karl I.

Antonius van Dyck (1599 – 1641): Die Kinder Karl I. Antonius van Dyck malte hauptsächlich Menschen der höheren Gesellschaftsklasse, genuesische Nobili und englische Aristokraten. Wohl aus der Werkstatt des Antwerpener Künstlers stammt dieses Gruppenbild der Kinder des Königs Karl I. von England (1600 – 1649). Der Prinz trägt Beinkleider. Er und seine Geschwister sind von zwei Wachtelhunden (King Charles) flankiert.

Francesco Francia 1450 – 1517 Die Anbetung der Könige

Francesco Francia (um 1450 – 1517/18): Die Anbetung der Könige Seit 1754 ist diese wunderbare kleine Malerei mit leuchtenden Farben auf Pappelholz im Inventar der Dresdner Galerie verzeichnet. Feierlichkeit und Pracht strahlt diese figurenreiche Szene aus dem Neuen Testament (Matthäus 2, 9 f.) aus, die sonst eigentlich auf großmaßstäblichen Tafeln dargestellt zu werden pflegt.

Pompeo Batoni 1708 – 1787 Die büßende Magdalena

Pompeo Batoni (1708 – 1787): Die büßende Magdalena Der italienische Maler, welcher auch als Erfinder des Touristenporträts (für englische Touristen in Rom) gilt, hat wundervolle Genrebilder und Mythologien gemalt. Eins der schönsten ist die büßende Maria Magdalena (um 1742, Öl auf Leinwand). Ihr blondes Haar, ihr porzellanglattes Fleisch, das blaue Gewand vor der dunklen Wand der Höhle – ein Gedicht! Mindestens seit 1754 in der Galerie, gilt die Magdalena als Kriegsverlust beim Bombenangriff am 13./14. Februar 1945 auf Dresden.

Gemäldegalerie

Bernardo Belotto, genannt Canaletto (1722 – 1780): Der Neumarkt in Dresden vom Jüdenhof aus. Der große venezianische Vedutenmaler schuf als Hofmaler des sächsischen Kurfürsten um die Mitte des 18. Jahrhunderts zauberhafte Stadtansichten von Venedig, Dresden, Wien, München und Warschau. Hier hat er den zweiten großen Marktplatz Dresdens, den Neumarkt, abgebildet. Im Hintergrund die Frauenkirche, links das mit großen Fenstern zur Gemäldegalerie umgebaute Stallgebäude. In der Bildmitte rauscht die sechsspännige Galakarosse des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs über den Platz.

Porzellansammlung

Dank der Sammelleidenschaft von Kurfürst Friedrich August I., dem Starken (1670 – 1733) verfügt Dresden im Zwinger heute über die kostbarste Kollektion an vor allem chinesischen, japanischen und Meissener Porzellanen, die mit ihren 20 000 Unikaten neben der des Serail in Instanbul und der des chinesischen Kaiserpalastes in Peking zu den größten der Welt zählt. Erstes chinesisches Porzellan gelangte schon sehr früh an den sächsischen Hof. Als sich August um 1700 dem Weißen Gold zuwandte, hatte ihn jenes „Porzellanfieber“ infiziert, das sich innerhalb der deutschen Hocharistokratie zeigte. Für seine Sammlung kaufte August 1717 ein Palais an der Elbe und befahl dessen Ausbau zum Porzellanschloss. Während der Arbeiten am Palais brachte man 1727 die schönsten Stücke der Porzellanbestände – beim Tode des Herrschers waren es etwa 35 000 – ins Residenzschloss, wo im Turmzimmer das Porzellankabinett entstand (bis zum II. Weltkrieg dort erhalten). 1876 bezog die Porzellansammlung drei Riesensäle des Johanneums am Residenzschloss. Aderlässe gab es u. a. zwischen 1919 und 1924, als der Freistaat Sachsen den Dubletten-Verkauf anordnete, dessen Einkünfte in Neuerwerbungen bzw. die Abfindung des vormals regierenden Sächsischen Königshauses flossen. Unter der nationalsozialistischen Diktatur plante man im Dresdner Zwinger (außer dem Semperbau) ein „Nationalmuseum für Keramik“, dessen Ostasien-Sektion nach 1933 in den noch heute genutzten Flügel umzog. Fast alle Museums-Bestände überstanden an sicheren Auslagerungsorten den II. Weltkrieg und wurden von der sowjetischen Trophäenkommission als Kriegsbeute ins Land der Sieger abtransportiert. Bis auf etwa 500 noch heute in Russland verbliebene Objekte kehrten die Porzellane 1958 nach Dresden zurück. 1962 konnte die Sammlung im Zwinger wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Heute zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehörend, großzügig erweitert, vollständig saniert und durch renommierte Architekten wie den New Yorker Peter Marino (geb. 1949) prunkvoll inszeniert, ist die zwischen Glockenspielpavillon und Kronentor des Dresdner Zwingers untergebrachte Porzellansammlung Dresden (ständig 750 Stücke ausgestellt) das Mekka für Porzellan-Liebhaber aller Kontinente.

Zwinger Porzellansammlung

„Weißes Gold“ unter Baldachinen und einem Pavillon im chinesischen Stil. Für die luxuriöse Präsentation stattete der New Yorker Architekt und Designer Peter Marino (geb. 1949) im Jahre 2010 drei Räume der Porzellansammlung im Zwinger prunkvoll aus. Diese Inszenierung verrät etwas von den monarchischen Träumen Augusts des Starken, der für seine Sammlung ein grandioses Porzellanschloss im Japanischen Palais plante. Der Dresdner Schatz gilt als eine der weltgrößten Sammlungen chinesischer und japanischer Porzellane sowie von Erzeugnissen der 1710 gegründeten Königlichen Porzellanmanufaktur Meissen.

Zwinger Porzellansammlung

In der lichtdurchfluteten Langgalerie zwischen Eckpavillon und Kronentor werden Meissener Kaffee- und Teegeschirre, Tafelservice und die schönsten Gefäßformen des 18. Jahrhunderts präsentiert. Zu den Spitzenstücken der Kollektion zählen jene mit den farbenprächtigen Dekoren der Höroldt-Periode (1720 – 1775) sowie der Marcolini-Zeit (1773 – 1813).

Zwinger Porzellansammlung Dragonervasen

Sieben sogenannte „Dragonervasen“ in der Bogengalerie. Die 1,03 Meter hohen Monumentalvasen aus China entstanden in der Regierungsperiode Kangxi (1662 – 1722). Im Jahre 1717 „verschenkte“ August der Starke 600 Reiter seiner Armee an Friedrich Wilhelm I. von Preußen (1688 – 1740), der daraus ein Dragonerregiment formierte. Im Gegenzug erhielt Sachsens Herrscher 115 Porzellane, darunter die chinesischen Vasen.

Mathematisch-Physikalischer Salon
Mathematisch-Pysikalischer Salon und Wallpavillon um 1970
Mathematisch-Pysikalischer Salon und Wallpavillon um 1970

Aus dem Technikinteresse sächsischer Herrscher für Globen, astronomische, mathematische und physikalische Instrumente sowie mechanische Spielwerke entstand im Laufe von Jahrhunderten der Mathematisch-Physikalische Salon. Seit 1728 ist das heute zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zählende Museum im Zwinger beheimatet. Wie andere Sammlungen geht auch dieses auf die 1560 von Kurfürst August I. (1526 – 1586) im Residenzschloss gegründete Kunstkammer zurück. Zahlreiche Stücke der Sammlung sind Erwerbungen aus Süddeutschland und Italien. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts hatte der Salon ganz praktischen Nutzen für Sachsen. Vom hier stationierten Zeitdienst mit extrem genauen Uhren und der astronomischen Zeitbestimmung mittels Passageinstrument wurden zunächst die Dresdner und später alle sächsischen Uhren getaktet. Zu den repräsentativen Stücken der Exposition zählen an einheimischen Kreationen die Weltzeituhr von Andreas Gärtner (1654 – 1727) sowie Brennspiegelapparate des Universalgelehrten Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651 – 1708). Mit besonderem Stolz wird das einzige Exemplar einer Addiermaschine aus der Zeit um 1650 von Blaise Pascal (1623 – 1662) in einer öffentlichen Sammlung außerhalb Frankreichs präsentiert. Nach der 2007 bis 2013 dauernden Generalsanierung wurde die Ausstellung neu geordnet und zeigt heute 500 der 3000 Exponate in vier großen Themenbereichen. Auch viele Jahrzehnte nach dem II. Weltkrieg klaffen die durch das Inferno von Dresden am 13./14. Februar 1945 und Wegnahmen nach dem Kriege verursachten Lücken im Bestand. Ein Verlustkatalog von 1992 nennt noch 261 vermisste Instrumente und Uhren.

Kurfürst August – fasziniert von Astrologie und Astronomie

Kurfürst August um 1565 gemalt von Lucas Cranach
Kurfürst August um 1565 gemalt von Lucas Cranach

Anfänge einer kontinuierlichen Beschäftigung mit der Sternkunde verbinden sich in Dresden mit dem wissenschaftlich gebildeten Kurfürst August von Sachsen (1526 – 1586). Der in Freiberg aufgewachsene „Landesvater“ hatte zehnjährig den Rektor der dortigen Stadtschule zum Lehrer, schrieb sich 1540 an der Universität Leipzig ein. Nach dem Tode seines älteren Bruders, des Kurfürsten Moritz (1521 – 1553), lenkte er ab 1553 für 33 Jahre die Geschicke des albertinischen Sachsens. August, der im Dresdner Schloss selbst feinmechanisch tätig war, in eigener Werkstatt drechselte, persönlich in Ackerbau, Viehzucht, Forstwesen, Bergbau und Manufakturen eingriff, interessierte sich besonders für Astronomie, Astrologie, Kartographie, Mathematik und Messkunst. Dafür pflegte er vielfältige persönliche und briefliche Kontakte mit Gelehrten, baute eine einzigartige Gerätesammlung und Bibliothek auf. Gleichsam war er magischen und kabbalistischen Künsten zugetan, sammelte astrologische Prophezeiungen, suchte mittels der von ihm regelmäßig praktizierten Punktierkunst (Geomantie) – einer Variante der Horoskopastrologie – sogar Rat bei täglichen Entscheidungen. Hofmathematiker und Astronom bei Kurfürst August sowie ab 1570 sein und der Kurfürstin Anna (1532 – 1585) Leibarzt war der in Bautzen geborene Kaspar Peucer (1525 – 1602). Mit dem Kurfürst verband ihn neben der Astronomie das Interesse an der Geomantie. Als Peucer jedoch des Kryptocalvinismus beschuldigt wurde, verlor er die Gunst des orthodoxen Lutheraners August. Am 1. April 1574 ließ ihn der Landesherr verhaften, 12 Jahre in verschiedenen Kerkern – vor allem der Leipziger Pleißenburg – schmachten. Ein wichtiger Partner beim Austausch astronomischer Informationen war für Kurfürst August ein Verwandter: Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (1532 – 1592)! Seine Mutter Christine von Sachsen (1506 – 1549) war die Tochter Herzog Georgs des Bärtigen, des Bruders von Augusts Vater, Heinrich des Frommen (1473 – 1541). Mit Uhrmachern und Instrumentenbauern schuf Wilhelm IV. astronomisch und astrologisch orientierte Uhren und Geräte von bis dahin unbekannter Genauigkeit. Im Dezember 1562 bestellte Kurfürst August bei ihm die reich geschmückte Planetenlaufuhr mit Astrolabium, silbernem Globus und Kalenderscheibe, an der Eberhard Baldewein, Hans Bucher (gest. 1578 o. 1579) und Goldschmied Hermann Diepel von 1563 bis 1568 arbeiteten. Sie ist noch heute ein Glanzstück des Mathematisch-Physikalischen Salons. Um 1586 wird die erste Sonnenuhr am Langen Gang des Dresdner Stallhofs datiert, die, im barocken Stil restauriert, zwei mal drei Meter groß, mit Tierkreiszeichen und römischen Ziffern ausgestattet ist.

Ehrenfried Walther von Tschirnhaus

Ehrenfried Walther von Tschirnhaus
Ehrenfried Walther von Tschirnhaus – der große Universalgelehrte.

Mit Ehrenfried Walther von Tschirnhaus forschte über viele Jahre ein europaweit berühmter Universalgelehrter des Barockzeitalters und Bahnbrecher der deutschen Frühaufklärung in Dresden. Der Astronom, Erfinder, Experimentator, Mathematiker, Physiker und Philosoph aus altem deutschen Adelsgeschlecht steht damit in einer Reihe mit Männern wie dem Magdeburger Bürgermeister Otto von Guericke (1602 – 1686) und dem Danziger Ratsherrn und Astronom Johann Hevel (1611 – 1687). Tschirnhaus wurde am 10. April 1651 als Sohn des Kurfürstlich-Sächsischen Rates und Landesältesten des Kreises Görlitz im Markgrafentum Oberlausitz Christoph von Tschirnhaus (1604 – 1684) auf dem Gut Kieslingswalde (heute Polen) geboren. Gut und gleichnamiges Dorf liegen 12 Kilometer östlich von Görlitz. Durch Privatlehrer erhielt er eine standesgemäße Erziehung und kam 15-jährig in die erste Klasse des Görlitzer Gymnasiums. Mit 17 Jahren immatrikulierte er sich 1668 an der Universität Leiden, studierte Mathematik, Medizin und Naturwissenschaften. Dem Studium folgten Reisen durch Holland, England, Frankreich, Malta, Italien und Deutschland, auf denen er so berühmte Persönlichkeiten wie Baruch de Spinoza (1632 – 1677), Christian Huygens (1629 – 1695) und Gottfried Wilhelm Leibniz kennenlernte. Bereits von frühester Jugend an war Tschirnhaus den modernen astronomischen Auffassungen von Nicolaus Copernicus (1473 – 1543), Tycho Brahe (1546 – 1601) und Johannes Kepler (1571 – 1630) zugetan. Schon in Görlitz studierte er die Werke des Jesuiten-Astronomen Athanasius Kircher (1602 – 1680). Am 22. Juli 1682 wurde er zum ersten deutschen auswärtigen Mitglied der Französischen Akademie der Wissenschaften ernannt. In der Liste der ständigen Akademie-Mitglieder steht sein Name neben dem des dänischen Astronomen Olaus Römer (1644 – 1710). Mindestens bis 1686 beschäftigten Tschirnhaus astronomische Himmelsbeobachtungen. Noch 1700 empfahl der Oberlausitzer Ritter und Kurfürstlich-Sächsischen Rat Tschirnhaus in seiner „Gründlichen Anleitung zu nützlichen Wissenschaften“, die Jugend mit dem „Astroscopio“ des Tübinger Professors Wilhelm Schickard (1592 – 1635) an die Astronomie heranzuführen, sie mit dem Bau von Sonnenuhren vertraut zu machen. Bei einem so universellen Geist wie Tschirnhaus war es nicht verwunderlich, dass er auch großes Interesse an der Vervollkommnung astronomischer Instrumente hatte. Seine bevorzugten Gebiete waren die Erforschung und der Bau von Brennspiegeln und Brenngläsern. Bei deren Herstellung verfolgte Tschirnhaus in erster Linie technische Ziele wie die Erreichung hoher Temperaturen im Brennpunkt. Er verfiel zum Beispiel auf die Idee, Kupferplatten zu Kugelkalotten auftreiben zu lassen, die konkave Fläche auszuschleifen und mit Stahl zu polieren. Damit war der Weg für eine billige Produktion größerer Stückzahlen von Brennspiegeln frei. Für die Herstellung der Brenngläser – sie wurden auf der Leipziger Messe angeboten, gelangten wie die Spiegel aus seinen Fabrikationsanlagen Kieslingswalde und Dresden bis nach London und St. Petersburg – fand er ebenfalls eine Technologie. Mit ihrer Hilfe wurde Sonnenstrahlung zum Schmelzen fast aller Stoffe eingesetzt. Selbst Asbest konnte im August 1687 verflüssigt werden, und Diamanten hätten der Wärme auch nicht standgehalten, schreibt Tschirnhaus in seinen Protokollen. Er berichtet sogar über den verständlicherweise negativ verlaufenen Versuch, mit den großen Brenngläsern die Wärmestrahlung des Mondes nachzuweisen. Ein Doppelbrennlinsenapparat mit 50 Zentimeter großer Hauptlinse, den Tschirnhaus um 1692 konstruierte, ist heute noch ein Glanzstück des Mathematisch-Physikalischen Salons. 1692 verlieh ihm Kurfürst Johann Georg IV. (1668 – 1694) für seine Verdienste um die Wissenschaften den Titel eines Kursächsischen Rates. Besonders unter Kurfürst Friedrich August I. (1670 – 1733), bekannt als August der Starke, wurden die Verbindungen zum Hof sehr eng. Tschirnhaus, der später auch in geheimste Goldmacher-Versuche eingeweiht war, lebte ab 1694 einen Teil des Jahres als Gelehrter am Hof. Dabei war ihm stets ungehinderter Zutritt zum Monarchen gewährt. In seinen letzten Lebensjahren forschte Tschirnhaus im Bünauschen Haus an der Augustusbrücke erfolgreich an der Herstellung des europäischen Hartporzellans. Dabei durfte ihm neben anderen auch der als Adept bekannte Apothekergeselle Johann Friedrich Böttger (1682 – 1719) zur Hand gehen. Mitten über den Forschungen starb Tschirnhaus am 11. Oktober 1708 in Dresden. Wegen umfangreicher Schulden wurden seine wertvolle Bibliothek und der gesamte Nachlass versteigert.

Sächsische Bauern-Astronomen

Zu den für Sachsen typischen Astronomieautodidakten des 17. und 18. Jahrhunderts aus dem Bauernstand zählt neben Christoph Arnold (1650 – 1695) aus Sommerfeld bei Leipzig der Garnbleicher und Zwirnhändler Christian Gärtner (1705 – 1782) aus Tolkewitz. Als jüngster von drei Söhnen eines Garnbleichers im Dorf bei Dresden am 6. Mai 1705 geboren, durfte er bis zu seinem 16. Lebensjahr die Schule in Leuben besuchen. Erwachsen, musste er mit dem Zwirnkarren zu Fuß auf die Leipziger Messe ziehen. In der Handels- und Universitätsstadt unterhielt Gärtner Kontakte zu Glasschleifern, Liebhaberastronomen wie Hofrat Abraham Gotthelf Kästner (1719 – 1800) und Professoren der Universität. Spätestens als Gärtner in der Mitte des Lebens stand, muss sein Steckenpferd über die Grenzen von Tolkewitz hinaus bekannt gewesen sein. Denn zur Mondfinsternis am 7. März 1746 besuchte ihn der 22-jährige Johann Georg Palitzsch (1723 – 1788) aus Prohlis. Anlässlich der ringförmigen Sonnenfinsternis des 25. Juli 1748 begann Gärtner seinen Landesherren Friedrich August II. mit astronomischen Nachrichten, u. a. Vorankündigungen von Ereignissen am Sternhimmel und Zeichnungen zu beliefern. Bis 1764 waren es wohl 1891 Nachrichten! Insbesondere die Inspektoren des „Mathematisch-physikalischen Cabinets“, Haubold und Rudolph, förderten den interessierten Laienastronomen. Hier fand er nicht nur aufmerksame Gesprächspartner, sondern auch umfangreiche Literaturbestände und eine sehenswerte Exposition astronomischer Instrumente. Von Rudolph soll er außerdem in der Kunst des Glasschleifens und beim Bau von Fernrohren zahlreiche Anregungen erhalten haben. Mehrmals mag sich der Kurfürst mit Gärtner über die Gegenstände seines Wissens unterhalten haben. Auf Befehl des Landesherren musste er 1755/56 sein kleines Observatorium abreißen und durch ein neues, größeres ersetzen. Im „Hamburgischen Magazin“ werden Gärtners Himmelsbeobachtungen ab 1750 erwähnt. Die Dresdner Presse nahm ab 1757 von dem Sternwartenbesitzer Notiz. Die glänzende Reputation eines gelehrten Bauern und Handwerkers konnte den Tolkewitzer jedoch vor den Wirren des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763), vor immer tieferer Verschuldung und Armut nicht bewahren. Petitionen und Bittschriften an Kurfürst Friedrich August II. von 1763, an die Kurfürstin-Witwe von 1764 und an Kurfürst Friedrich August III. von 1769 lassen noch heute diese verzweifelte Situation erahnen. Am 31. Dezember 1782 starb Gärtner nach fünfjährigem Krankenlager völlig einsam und verarmt. Tolkewitz gemeindete man 1912 nach Dresden ein. Unter Denkmalschutz stehend, wurde das mehrfach umgebaute Gärtner-Haus Alt-Tolkewitz 19 im Jahre 1994 ein Opfer des Abrissbaggers.

Ein weiterer sächsischer Landmann, den das Streben nach geistiger Vervollkommnung mit Muse Urania in Verbindung brachte, war Johannes Ludewig (1715 – 1760) aus Cossebaude. Am 25. Februar 1715 als Sohn eines Wein- und Ackerbauern geboren, war er 21-jährig wegen seiner schönen Handschrift bereits Ortssteuereinnehmer geworden. Mit dem Titel eines Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen General-Akzise-Einnehmers musste er von den Dörflern die indirekten Steuern nach einem festgesetzten Tarif eintreiben. 1754 ernannte man ihn gar zum Dorfrichter des Elbdorfes Cossebaude. Europaweit Aufsehen erregten aber seine Kenntnisse auf astronomischem und philosophischem Gebiet. Autodidaktisch erlernte der arme Bauer mit 2,75 Hektar Land, der seine Feldprodukte im Karren nach Dresden brachte, aus Büchern das Ziehen der Quadrat- und Kubikwurzeln. Er beschäftigte sich mit sphärischer Trigonometrie und Optik. Sein astronomisches Wissen basierte auf dem damals populären Werk „Vorhof der Sternwissenschaft“ des Zittauer Schulmannes Christian Pescheck (1676 – 1747) aus dem Jahre 1730 (zweite Auflage 1743). Von November 1740 bis Ostern des folgenden Jahres soll Ludewig alles astronomische Wissen in sich aufgesaugt und sich dann anderen Wissenschaften zugewandt haben. Bei einer General-Akzise-Inspektion wurde Oberakzisekommissar Dr. Christian Gotthold Hoffmann (1724 – 1784) im Jahr 1753 auf Ludewig aufmerksam. Hoffmann war passionierter Liebhaberastronom, verkehrte mit Leipziger Professoren wie Johann Christoph Gottsched (1700 – 1766) und betrieb die Entdeckung und Förderung gelehrter Bauern wohl als Steckenpferd. So knüpfte er auch zu Christian Gärtner und Johann Georg Palitzsch Kontakte. Die Unterhaltung mit Ludewig scheint für ihn so überzeugend gewesen zu sein, dass er den Cossebauder bat, seinen Lebens- und Selbstbildungsweg schriftlich darzulegen. Als weitere Probe seines Könnens lieferte Johannes Ludewig wenige Monate später eine „Kurze Berechnung und Abriß der am 26. Oktober 1753 sich ereignenden Sonnenfinsternis“ mit sechs Zeichnungen verschiedener Phasen der Verfinsterung ab. In einer erneuten, am 21. Januar 1755 abgeschlossenen, Schrift philosophierte er dann noch über das Thema „Versuch, ob man behaupten könne, daß zu einer wahren Gelehrsamkeit viel Bücherlesen eben nicht nöthig sey.“ Dr. Hoffmann fasste alle drei Ausarbeitungen Ludewigs nebst Vorwort und einem Kupferstich mit dem Porträt des Bauern in seinem 1756 bei Friedrich Hekel in Dresden verlegten Buch „Der gelehrte Bauer“ zusammen. Dem über 240-seitigen Werk beigeheftet ist ein Ludewig lobendes Attest des Leipziger Physik-Professors Johann Heinrich Winkler (1703 – 1770), der Ludewig am 25. Februar 1756 privat examiniert hatte. Ludewig starb 45-jährig am 12. Januar 1760. Der Verschönerungsverein errichtete 1893 vor dem Tor seines ehemaligen Wohnhauses Talstraße 6 einen kleinen Gedenkstein. Eine Straße und eine Bibliothek von Cossebaude – der Ort wurde 1998 nach Dresden eingemeindet – tragen Ludewigs Namen.

Unter Sachsens Bauernastronomen erlangte ein Mann europaweite Berühmtheit – sogar zwei Krater und ein Tal auf dem Mond tragen seinen Namen: Johann Georg Palitzsch (1723 – 1788) aus Prohlis! In Prohlis betrieb Palitzschs Familie seit Generationen ein Gut mit etwa 20 Hektar Ackerland. Der am 11. Juni 1723 geborene Knabe, dessen Vater kurz nach der Geburt des einzigen Sohnes starb, besuchte im Nachbardorf Leubnitz-Neuostra die Schule und soll schon 12-jährig eifrig den Sternhimmel beobachtet haben. Seine ersten astronomischen Bücher waren „Vorhof der Sternwissenschaft“ von Christian Pescheck und die 1744 erschienene „Vollständige Astronomie“ des in Dresden ansässigen Astronomen Eberhard Christian Kindermann. 21-jährig übernahm Palitzsch den Hof, machte mit Mitteln seiner Ehefrau ein Mustergut daraus, das er bis zu seinem Tode mit großem Erfolg bewirtschaftete. Im Jahre 1745 lernte Palitzsch den astronomisch versierten Zwirnhändler Christian Gärtner und den Oberinspektor des „Mathematisch-physikalischen Cabinets“ Georg Gottlieb Haubold kennen. Letzterer gewährte ihm Zugang zur Instrumentensammlung des Kurfürsten, beschaffte als Bibliothekar der Kurfürstin auch neue Fachliteratur. Am 25. Juli 1748 beobachtete Palitzsch mit Gärtner sowie der in Dresden zurückgeblieben königlichen Familie und den Damen des Hofes im Dresdner Zwinger eine Sonnenfinsternis – so vermeldete es zwei Tage später Kabinettsminister Anton Gabaleon Graf von Wackerbarth-Salmour (1685 – 1761) dem Premier Heinrich Graf von Brühl nach Warschau. Zehn Jahre später machte den Prohliser eine Kometen-Beobachtung schlagartig berühmt: Am Weihnachtstag, dem 25. Dezember 1758, gegen sechs Uhr am Abend entdeckte Palitzsch als erster Astronom Europas mit seinem 8-Fuß-Refraktor den Halleyschen Kometen wieder. Die Nachricht erreichte im April die Fachastronomen in Paris, später die in London und St. Petersburg. Der unermüdliche Landmann ließ fortan die Leser der „Dreßdnischen Gelehrten Anzeigen“ an seinen astronomischen Beobachtungs-Erfolgen teilhaben. Selbst Friedrich Wilhelm Herschel (1738 – 1822) wurde auf Palitzsch aufmerksam, korrespondierte mit ihm. Persönlichen Kontakt hatte der Prohliser sogar mit Preußenkönig Friedrich II. (1712 – 1786). Prinz Leopold von Braunschweig (1752 – 1785) suchte ihn auf, beschenkte ihn u.a. mit einem der Linsenfernrohre des Engländers John Dollond (1706 – 1761). Auch bei den Wettinern war Palitzsch angesehen. Als Johann Georg Palitzsch am 21. Februar 1788 starb, hinterließ er eine Bibliothek mit 3 518 Bänden aller Wissensgebiete und Sammlungen, die mehrere Zimmer eines Seitengebäudes füllten. Dazu 18 Sonnenuhren, dutzende Fernrohre, Brennspiegel, Globen. Das meiste wurde bei der Schlacht um Dresden 1813 geplündert. Der Rest fiel dem 13./14. Februar 1945 zum Opfer. Bis heute erhielt sich Palitzschs Grab auf dem Friedhof Leubnitz-Neuostra. Seit 1877 erinnert in Prohlis ein Denkmal an sein Wirken. In dem 1923 nach Dresden eingemeindeten Prohlis eröffnete die Stadt 1988 ein Palitzsch-Museum, gibt es eine Palitzsch-Schule.

Der bedeutendste Astronom Dresdens, dessen einzigartige Mondkarte weltweit Beachtung fand, war der Universalgelehrte Wilhelm Gotthelf Lohrmann (1796 – 1840). Nach Besuch der Garnisonsschule und Architekturstudium an der Bauschule der Akademie der bildenden Künste erhielt er 1815 eine Anstellung als Feldmesser bei der „Königlich Sächsischen Kameralvermessungsanstalt“, die zeitlebens sein Arbeitgeber blieb und wo er eine Bilderbuch-Karriere erlebte: 1818 „Kameralvermessungs-Conducteur“, 1823 Revident und Vermessungsinspektor, 1840 Direktor der Kameralvermessung. Die Bemühungen um eine möglichst genaue astronomisch-geodätische Ortsbestimmung mögen sein Interesse auf die Sternkunde gelenkt haben. Im Frühjahr 1820 hatte Lohrmann unter dem Dach im 4. Geschoss seines Hauses Neue Gasse 2 in der Pirnaischen Vorstadt mit dem Bau einer Privatsternwarte begonnen. 1822 verfasste der Privatastronom die 47-seitige Schrift „Das Planetensystem der Sonne“, welche ihm Anerkennung und langjährige Kontakte zu solch renommierten Astronomen wie Johann Franz Encke (1791 – 1865), Johann Elert Bode oder Johann Edler von Littrow (1781 – 1840) sicherte. Zu seinen Korrespondenzpartnern zählten auch der Bremer Arzt, Kleinplaneten- und Kometenentdecker Heinrich Wilhelm Matthias Olbers (1758 – 1850) sowie der Altonaer Astronom Professor Heinrich Christian Schumacher (1780 – 1850). Schon vorher war Lohrmann bemüht, Männer mit astronomischen Ambitionen rund um Dresden für den Erfahrungsaustausch kennenzulernen. In Professor Christoph Eusebius Raschig fand er einen Astronomie-Enthusiasten und verständnisvollen Freund. 1828 nahm der mit fünf Kindern verwitwete Lohrmann sogar dessen Tochter Henriette (1800 - 1878) zur zweiten Frau. Sie schenkte ihm noch vier Kinder! 1822 begann Lohrmann mit seiner Topographie der sichtbaren Oberfläche des Erdmondes, die schließlich zur Vollendung seiner berühmt gewordenen Mondkarte in 25 Sektionen führte. Diese war die detailreichste weltweit: Sie beruhte auf einer genügend großen Anzahl mikrometrisch vermessener Punkte. Zuerst beabsichtigte Lohrmann, eine Karte von 130 Zentimeter Durchmesser zu zeichnen, beschränkte sich aber dann auf einen Durchmesser von 97 Zentimeter. 1824 konnte er die ersten vier Kartenblätter, die Sektionen I bis IV, mit einer ausführlichen Beschreibung unter dem Titel „Topographie der sichtbaren Mondoberfläche, Erste Abtheilung“ herausgeben. 1836 oder 1837 erschien im Verlag Johann Ambrosius Barth eine kleine Mondkarte mit 38,5 Zentimeter Durchmesser. Doch das Gesamtwerk „Mondcharte in 25 Sectionen und 2 Erläuterungstafeln von Wilhelm Gotthelf Lohrmann“ verlegte erst 1878 Johann Ambrosius Barth der Jüngere (1834 – 1887) in Leipzig. Nachdem der Oberinspektor des „Mathematisch-physikalischen Salons“ Major a.D. und Geodät Heinrich August Schmidt (gest. 1827) freiwillig aus dem Leben geschieden war, vertraute man Wilhelm Gotthelf Lohrmann die Stelle des Oberinspektors als nebenamtliche Tätigkeit an. Lohrmann, dem als zweites Nebenamt auch der Posten eines Vorstehers der 1828 von ihm mitgegründeten Technischen Bildungsanstalt übertragen worden war (aus ihr entstanden das Königlich Sächsische Polytechnikum, die Technische Hochschule und jetzige Technische Universität Dresden), ließ 1829 ein kleines massives Observatorium aus drei kleinen Räumen auf dem Zwingerwall am Salon errichten. Dafür wurde das unter seinem Vorgänger Schmidt 1819 aus Holz erbaute Beobachtungshäuschen abgerissen. Der neue Oberinspektor ordnete die gesamte Sammlung nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten, gab 1835 den gedruckten Katalog „Die Sammlungen der mathematisch-physicalischen Instrumente und der Modellkammer in Dresden“ im Taschenformat heraus. Ab Juli 1828 konnten die Sammlungen an bestimmten Tagen unentgeltlich von allen Bevölkerungsschichten besucht werden. Lohrmann begründete auch das System meteorologischer Stationen im Königreich und betrieb die erste Kontrollstation im Zwinger. An seinem 44. Geburtstag erkrankte Lohrmann an Typhus und starb am 20. Februar 1840. Sein Grab befindet sich auf dem Dresdner Eliasfriedhof. Ein Mondkrater wurde nach Wilhelm Gotthelf Lohrmann benannt. Die oft als Symbol der Technischen Universität Dresden benutzte Hochschulsternwarte und die ihr angeschlossenen Einrichtungen tragen den Traditionsnamen „Lohrmann-Observatorium“. In Dresden-Reick existiert eine Lohrmann-Straße und eine Gedenktafel an der Meridiansäule in Dresden-Rähnitz.


Fürstenzug

Der Fürstenzug gilt mit seinen 102 Meter Länge und dem verwendeteten Material als größtes Porzellanbild (Meißnerporzellan) der Welt. Es zeigt die Ahnengalerie der Herrschenden (Wettiner) zwischen 1127 und 1873 in Sachsen.

Der Fürstenzug ist in der Augustusstraße zu finden und befindet sich in der Nähe zur Frauenkirche.

Hinweis:

Fahren Sie mit Ihrer Maus über das Bild, um es in einer vergrößerten Darstellung zu sehen.

Hinweis:

Um den gesamten Fürstenzug zu sehen, ziehen mit Ihrem Finger das Bild von rechts nach links.


Altmarkt

Dresdens ältester Platz und Kristallisationskern der mittelalterlichen Stadt ist der Altmarkt. Über Jahrhunderte war er wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Mittelpunkt der Residenz. Montags und nach der Eingemeindung Altendresdens im Jahre 1549 auch freitags wurde hier bis 1893 Wochenmarkt abgehalten. Auf dem Platz, unter dem sich seit 2008 eine Tiefgarage mit 473 Plätzen erstreckt, finden der traditionsreiche Striezelmarkt sowie die Frühlings- und Herbstmärkte statt. Statt des alten Rathauses an der Nordseite ließ die moderne Großstadt bereits 1910 an der Westseite des Marktes das Neue Rathaus mit dem 98 Meter hohen Rathausturm entstehen. Im Jahre 1746 wurde an der Südseite des Altmarktes das Chaisenhaus für die 1705 gegründeten Chaisenträger erbaut (1878 abgerissen), die einst Sänften trugen und heute noch als Ratschaisenträger zu Dresden e. K. schwere Lasten wie Tresore und Klaviere befördern. In der Altmarktmitte wurde 1880 das Sieges- bzw. Germania-Denkmal von Robert Henze (1827 – 1906) aufgestellt. Nach 1850 etablierten sich Banken, Restaurants und Kaufhäuser wie das „DEFAKA“ (Deutsches Familien-Kaufhaus) oder das „Herzfeld“. Überlebt hat am Altmarkt von den alten Geschäften nur die Konditoren-Dynastie Kreutzkamm, die seit 1878 – heute in fünfter Generation – eine Filiale besitzt. Der im Inferno von Dresden 1945 völlig zerstörte Platz erhielt ab 31. Mai 1953 (Westseite, später Ostseite) durch die Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern wieder einen Rahmen. 1969 schloss der Kulturpalast die Nordseite ab und ab 1997 schloss man auch die Südseite vor der Kreuzkirche. Seit 2002 lädt außerdem die hinter der östlichen Häuserzeile gelegene „Altmarkt-Galerie“ (2011 erweitert entlang der Wilsdruffer Straße, 48 000 qm Verkaufsfläche, ca. 200 Geschäfte) zum Einkaufen und Verweilen ein.

Striezelmarkt

Wohl der älteste und traditionsreichste deutsche Weihnachtsmarkt mit jährlich rund 2,5 Millionen Besuchern ist der erstmals am 14. Oktober 1434 urkundlich erwähnte Dresdner Striezelmarkt. Weil er einst vor allem der Versorgung der Dresdner mit Christstollen diente, die in Dresden auch Striezel genannt werden, bürgerte sich der charakteristische Name ein. Ab 1548 legte man den Striezelmarkt auf den Montag vor Weihnachten, ab 1710 durfte er drei, später acht Tage andauern. In heutiger Zeit beginnt er schon Ende November und schließt in den Mittagsstunden des 24. Dezember. Unter einer über 20 Meter hohen und etwa 80 Jahre alten Fichte und der 14,62 Meter großen erzgebirgischen Stufenpyramide mit 42 Figuren stehen die aufwändig geschmückten Häuschen von über 230 Händlern. Neben den weihnachtlichen Spezialitäten Dresdner Bäcker findet man auf dem Striezelmarkt die Pulsnitzer Pfefferkuchen, original erzgebirgische Pyramiden, Räuchermänner, Nussknacker und Weihnachtskrippen, Herrnhuter Sterne, Töpferware aus der Lausitz sowie thüringischen Weihnachtsbaumschmuck aus Glas. Eine besondere Dresdner Spezialität darf auf dem Striezelmarkt nicht fehlen – der Pflaumentoffel! Dieser verzehrbare Glücksbringer in Gestalt eines Schornsteinfegers besteht aus Backpflaumen.

Neues Rathaus

Das Dresdner Rathaus (Dr.-Külz-Ring 19) zählt zu den monumentalen Rathausbauten des 20. Jahrhunderts. Nach dem Entwurf des Architekten Karl Roth (1875 – 1932) wurde es bis 1. Oktober 1910 errichtet. Dem Neubau auf fast 10 000 Quadratmeter Grundfläche mussten u. a. die Bastion Jupiter, die Reformierte Kirche und das Palais Loß weichen. Die hohen Ziegeldächer und sandsteinverkleideten Fronten der vier- und fünfgeschossigen Gebäudeteile fügen sich vornehm ins Stadtbild ein. Im Inneren besitzt das Rathaus sechs Höfe, wovon einer als Lichthof ausgeführt ist. Zwischen drittem und viertem Hof erhebt sich auf einer vier Meter mächtigen Betonplatte der 98 Meter hohe Rathausturm mit Aussichtsplattform in 68 Meter Höhe sowie den überlebensgroßen allegorischen Sandsteinfiguren am Rundgang und der Turmuhr (vier Meter Durchmesser). Der auf der Spitze des Turmes stehende Dresdner Schutzpatron Herkules wurde von Richard Guhr (1873 – 1956) geschaffen. Aus vergoldetem Kupferblech gearbeitet, schüttet er sein Füllhorn über der Stadt aus. Für diesen 5 Meter hohen Rathausmann stand der Ringkämpfer Ewald Redam (1884 – 1947) Modell. Am Eingang zum Ratskeller befinden sich der Bacchus auf dem Esel und an der Goldenen Pforte zwei bronzene Wappenlöwen von Georg Wrba (1872 – 1939). Das imposante Treppenhaus mit Plafond-Ausmalung von Otto Gußmann (1869 – 1926) führt zum Festsaal und zum Plenarsaal der Stadtverordneten. Am 13./14. Februar 1945 zerstört, war das Rathaus 1965 wieder aufgebaut worden.

Kreuzkirche & Kreuzchor

94 Meter hoch reckt sich im Herzen Dresdens am Altmarkt der Turm der Ev.-Luth. Kreuzkirche (An der Kreuzkirche 6), des zweitältesten Gotteshauses der Stadt, in den Himmel. Mit einer Kreuzreliquie war die im Verlauf der Jahrhunderte fünfmal zerstörte Kirche im Mittelalter ein viel besuchter Wallfahrtsort. 1964 wurde sie offizielle Predigtkirche des evangelischen Landesbischofs von Sachsen. Vor allem ist sie aber Heimstatt des berühmten Dresdner Kreuzchores, der zu den weltweit ältesten und renommiertesten Knabenchören zählt. Schon um 1200 überragte am heutigen Standort der Kirche eine dem Kaufmanns-, Markt-, Straßen- und Brückenheiligen Nikolaus geweihte romanische Basilika St. Nikolai mit zwei Westtürmen die Stadt. Als Constantia Prinzessin von Österreich (1212 – 1243), die Gemahlin von Markgraf Heinrich dem Erlauchten (um 1215 – um 1288), als Mitgift einen Splitter vom Kreuze Jesu nach Sachsen brachte, kam dieser in eine extra angebaute Kreuz-Kapelle der Nikolaikirche. Am 3. Mai 1388 fand die Weihe der Kirche auf den neuen Namen „Zum Heiligen Kreuz“ statt. Die heutige Gestalt verlieh ihr 1894/95 Baurat Emil Scherz, der sie im neuklassizistischen Stil umgestaltete. Nachdem am 16. Februar 1897 ein Brand das Gotteshaus bis auf den Turm und die Umfassungsmauern zerstörte hatte, gelang den Architekten Rudolf Schilling (1859 – 1933) und Julius Graebner (1858 – 1917) innerhalb von nur drei Jahren der 1,785 Millionen Mark teure Wiederaufbau. Grundsätzlich veränderten sie dabei das Kircheninnere für 3476 Sitzplätze im Neubarock mit Jugendstilelementen. Die fünf großen Bronzeglocken bilden noch heute das zweitgrößte Geläut Deutschlands. Für die 1945 vernichtete Kreuzkirche begann 1946 der Wiederaufbau. Die vereinfachte Rekonstruktion des Innenraumes unter Architekt Fritz Steudtner (1896 – 1986) mit schlichtem Rauputz und sternförmigen Hängeleuchten hat bis heute Bestand. Am 13. Februar 1955 konnte die im Rohbau wieder hergestellte Kirche und zum Reformationsfest 1963 die neue Jehmlich-Orgel mit 76 Registern und 6111 Pfeifen geweiht werden. Von der Vorkriegs-Ausstattung erhielten sich u. a. das von Prof. Anton Dietrich (1833 – 1904) gemalte Altarbild „Golgatha“. Mit 3199 Sitzplätzen (nebst Stehplätzen fasst die Kirche sogar 5000 Menschen) verfügt die Kreuzkirche über den größten Konzertsaal der Elbestadt.

Dresdner Kreuzchor

Bei Gottesdiensten, Vespern, Metten und Konzerten verzaubert ein Knabenchor der Superlative mit seinem wundervollen, reinen Klang – der Dresdner Kreuzchor. 150 Kruzianer aller Stimmlagen – neun bis 19 Jahre alt – bilden einen lebendigen Mythos. Die Geburt des Chores, der seine große kirchenmusikalische Tradition 800 Jahre lang bewahren konnte, fällt etwa mit der Stadtgründung 1206 zusammen. Kantor Roderich Kreile (geb. 1956) ist der 28. Kreuzkantor seit der Reformation. Der Kreuzchor bestreitet heute jährlich über 100 Auftritte in Dresden und bei weltweiten Tourneen. Die Kruzianer lernen am evangelischen Gymnasium Kreuzschule in Blasewitz, wohnen dort teilweise auch im Alumnat.

Dresdner Kulturpalast
Kulturpalast
Kulturpalast

Im Stil der Bauhaus-Moderne errichtete Architekt Wolfgang Hänsch (1929 – 2013) bis 1969 als größten Mehrzwecksaal der Stadt den Dresdner Kulturpalast. Mit einer Grundfläche von rund 100 mal 70 Metern schließt er die Altmarkt-Nordseite ab. Er verfügte über einen multifunktionalen Festsaal mit 2435 Plätzen. Die Westseite ziert das 30 mal 10 Meter große Wandbild „Der Weg der roten Fahne“, an der Südseite befinden sich fünf bronzene Haupteingangstüren. Das seit 2008 unter Denkmalschutz stehende Gebäude wird gegenwärtig zum reinen Konzertsaal der Dresdner Philharmonie mit nur noch 1800 Plätzen umgebaut. Weiterhin erhalten hier das private Kabarett Herkuleskeule und die Hauptbibliothek der Städtischen Bibliotheken ein neues Domizil.

Dresdner Philharmonie
Prof. Peter Schreier dirigiert die Dresdner Philharmonie
Prof. Peter Schreier dirigiert die Dresdner Philharmonie

Mit jährlich über 80 Konzerten prägt die Dresdner Philharmonie als Konzertorchester der sächsischen Landeshauptstadt das hiesige Kulturleben und zählt neben der Sächsischen Staatskapelle zu Deutschlands führenden Orchestern. Sie ging aus einer 450-jährigen Ratsmusiktradition hervor. Am 29. November 1870 eröffnete der Dresdner Gewerbeverein vis-a-vis vom Zwingerein Vereinshaus. Der 2000 Plätze umfassende Vortragssaal war als Konzertsaal und Heimstatt des 50 Musiker zählenden Gewerbehausorchesters konzipiert. Bereits 1885 wurden „Philharmonische Konzerte“ veranstaltet und bei der Konzertreise durch die USA im Jahre 1909 bezeichnete sich der Klangkörper erstmals als „The Dresden Philharmonic Orchestra“. Ab 1915 führte er den Namen „Dresdner Philharmonisches Orchester“ und seit 1924 heißt er „Dresdner Philharmonie“. 1890 in ein Privatunternehmen und 1924 in eine Genossenschaft umgewandelt, kam die Philharmonie 1937 unter städtische Verwaltung. Im September 1944 wurde nach Proklamierung des „totalen Krieges“ auch die Dresdner Philharmonie aufgelöst, die jedoch bereits am 8. Juni 1945 wieder ihr erstes Konzert veranstaltete. Seit Oktober 1969 ist ihre Heimstatt der Dresdner Kulturpalast.


Blaues Wunder

Als König-Albert-Brücke am 15. Juli 1893 für den Verkehr freigegeben und heute offiziell als Loschwitzer Brücke bezeichnet, nennt der Dresdner das Loschwitz und Blasewitz verbindende Stahl-Bauwerk nur „Blaues Wunder“. Seit Jahrzehnten währt der Streit, wie es zu dieser Namensgebung kam. Einem hartnäckigen Gerücht entsprechend, soll die Brücke (größte Spannweite 146 Meter, Gesamtlänge 296 Meter, Gesamtkosten 2,265 Mio. Mark) ursprünglich einen grünen Farbanstrich bekommen haben. In der Mischung aus Kobaltblau und Chromgelb habe das Gelb der Sonneneinstrahlung und Umwelteinwirkungen nicht Stand halten können. So sei aus der grünen Brücke das „Blaue Wunder“ geworden. Aber dem widerspricht eine Zeitungsnotiz des „Dresdner Anzeigers“ vom 25. April 1893, die von drei Farbschichten in einem hellblauen Farbton für 57 000 Mark spricht. Auf jeden Fall konstruierte Klaus Köpke (1831 – 1911) die steife Hängebrücke mit drei Gelenken in der Mittelöffnung und Aemil Hugo Ringel (1853 – 1912) die Ankerkammern sowie Zufahrtsstraßen. Das imposante Bauwerk ist 24 Meter hoch und 11 Meter tief gegründet. Die „Sächsische Eisenkompanie AG“ lieferte ab 1891 die vorgefertigten Teile aus 3800 Tonnen basischem Siemens-Martin-Stahl, die mit 97 Tonnen Nietmaterial verbunden wurden. Rund 2000 Arbeiter waren bis zur Belastungsprobe am 11. Juli 1893 (zu den 157 Tonnen Gewicht zählten u. a. 3 Dampfwalzen, 1 voll besetzter Pferdebahnwagen, 1 Kompanie Dresdner Jägerbataillons, 150 Passanten) auf der Großbaustelle beschäftigt. Mehrere mutige Dresdner verhinderten Anfang April 1945, unabhängig voneinander, die Sprengung der Brücke.

Weitere Dresdner Brücken

Zurzeit hat Dresden 11 Elbbrücken. Schon 1285 existierte an der Stelle der heutigen Augustusbrücke (1727 errichtet, 1907 bis 1910 erneuert) im Stadtzentrum eine Flussquerung aus Stein. Mit 24 Bögen, 561 Meter Länge und 8,5 Meter Breite gehörte sie zu den größten Brücken im damaligen Europa. 1852 entstand die Marienbrücke, neben welcher man 1901 ein paralleles Bauwerk für den Eisenbahnverkehr schuf (2004 erneuert). 1875 wurde die Eisenbahnbrücke Niederwartha in Betrieb genommen (1983 erneuert), 1877 die Albertbrücke und 1895 die Carolabrücke (nach Kriegszerstörung 1971 neu errichtet). Die Flügelwegbrücke existiert seit 1930 (Neubau 2004), eine Elbbrücke für den Autobahnverkehr seit 1936 (1998 neu). Im Jahre 2011 konnte die Straßenbrücke Niederwartha in Betrieb genommen werden. Der jüngste Brückenbau ist die 2013 fertig gestellte Waldschlößchenbrücke. Ihr Name steht für die erste Aberkennung eines Weltkulturerbetitels in der Geschichte der UNESCO. Erst wurde die einzigartige Kulturlandschaft des Dresdner Elbtals (19,3 Quadratkilometer Fläche beiderseitig der Elbufer) 2004 in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen. Wegen des fortschreitenden Brückenbaus strich man Dresden 2009 wieder aus der Liste. Nach eindeutigem Votum der Bürger mit 67,9 Prozent für den Brückenbau im Jahre 2005 war am 19. November 2007 der offizielle Baubeginn dieser umstrittenen Flussquerung, die Planer schon 100 Jahre zuvor als interessant erachtet hatten. Mit dem Wachsen des Corpus Delicti schwanden allerdings die lokalen Proteste und Widerstände, die Dresden über Jahre in Atem gehalten, die Bürgerschaft gespalten hatten. Schließlich korrespondiert die Brücke mit der sensiblen Umgebung, hielten die Planer sämtliche Naturschutzauflagen ein. Seit August 2013 rollt der Verkehr über die 636,10 Meter lange und 24,40 Meter bis 28,80 Meter breite Brücke (180,5 Millionen Euro Baukosten), welche andere Elbbrücken und Nebenstraßen entlastet.


Brühlsche Terrasse

An der Elbe, direkt über den Anlegestellen der Sächsischen Dampfschiffahrt am Terrassenufer, liegt die vom Dresdner großzügig „Balkon Europas“ genannte Anlage. Das rund 500 Meter lange, bis zu 10 Meter hohe und zwischen 20 und 200 Meter breite Areal vereint wichtige Zeugnisse aus verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte. Gleichzeitig ist es die beliebteste Flaniermeile mit reizvollen Ausblicken über die Stadt und ihre Umgebung. Die Terrasse schließt Teile der im 16. Jh. angelegten Festungsanlagen mit den Kasematten ein. An die 7 Hauptbastionen, die 1721 nach Planeten benannt wurden, erinnert das 1990 von Vinzenz Wanitschke (1932 - 2012) aufgestellte Planetendenkmal. 1589/1622 erbaute Giovanni Maria Nosseni (1544 – 1620) an der Nordostecke das erste Belvedere, an dessen Stelle 1749/51, 1814 und 1842 Nachfolgebauten (1945 zerstört) kamen. Das letzte Belvedere schuf Otto von Wolframsdorf (1803 – 1849). Direkt daneben befindet sich die Jungfernbastei. In deren Gewölben gelang 1709 die Erfindung des ersten europäischen Porzellans – des Meissener Porzellans®. Zwischen 1739/48 schenkte Kurfürst Friedrich August II. (1696 – 1763) den elbseitigen Festungsteil seinem Premierminister Heinrich Graf von Brühl (1700 – 1763), der hier von Gottfried Knöffler (1715 – 1779) prächtige Bauten (Palais Brühl, Brühlsche Bibliothek, Brühlsche Galerie, zweites Belvedere, Brühlscher Garten) errichten ließ. Heute erinnern lediglich der Delphinbrunnen (um 1750), zwei Sphinxgruppen und ein Bassin an diese Schöpfungen. 1814 ließ der russische Gouverneur Nikolai Grigorjewitsch Fürst von Repnin-Wolkonski (1778 – 1845) die große Freitreppe zum Schlossplatz anlegen und die Terrasse der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Skulpturen „Vier Tageszeiten“ an der Treppe schuf 1863/68 Johannes Schilling (1828 – 1910). Alle Brühlschen Gebäude mussten nach und nach weichen: der 1885/94 erbauten Kunstakademie mit Ausstellungsgebäude von Constantin Lipsius (1832 – 1894), der 1897 gebauten Sekundogenitur (Besitz des zweitgeborenen Prinzen, seit 1990 zum Hotel Hilton gehörend) und dem Ständehaus, in dem sich der Landtag versammelte. Dies errichtete Paul Wallot (1841 – 1912) in den Jahren 1901/07. Es beherbergt heute u. a. Sachsens Oberlandesgericht. Das alte Zeughaus wurde 1884/87 zum Albertinum (seit 1959 Ausstellungsgebäude und Depot der Staatlichen Kunstsammlungen) umgebaut. In die ehemalige Hofgärtnerei und den darunter liegenden Kanonenhof zog ab 1956 die Evangelisch-reformierte Gemeinde zu Dresden.

Sächsische Dampfschiffahrt

Die älteste und größte Raddampferflotte der Welt mit neun vollständig renovierten Seitenrad-Dampfern und vier modernen Salon- und Motorschiffen wie „August der Starke“ und „Gräfin Cosel“ startet direkt im Herzen von Elbflorenz am Terrassenufer. Bereits 1836 hatten elf Dresdner Kaufleute und der Techniker Johann Andreas Schubert (1808 – 1870) die „Sächsische Elbdampfschiffahrts-Gesellschaft“ gegründet, die am 30. Juli 1837 mit der „Königin Maria“ (36,10 Meter langes Schiff) den Verkehr auf der Elbe aufnahm. Die heutige Sächsische Dampfschiffahrts GmbH & Co. Conti Elbschiffahrts KG verbindet mit diesen ersten Anfängen eine ununterbrochene Traditionslinie. Passagiere von allen Kontinenten begeistert der nostalgische Charme faszinierender Dampftechnik. Groß und Klein lassen sich vom Schnaufen der Maschinen, dem Rauch aus den Schornsteinen, den Signalpfeifen in eine Zeit vergangener Jahrhunderte entführen. Für Stadtrundfahrten, Schlösserfahrt oder die traumhaften Elbstrecken Dresden – Bad Schandau in die Sächsische Schweiz bzw. Dresden – Seußlitz entlang der Sächsischen Weinstraße stehen folgende historische Raddampfer (110 PS bis 350 PS; 160 bis 441 Plätze) zur Verfügung: „Stadt Wehlen“ (Baujahr 1879), „Diesbar“ (Baujahr 1884), „Meissen“ (Baujahr 1885), „Pillnitz“ (Baujahr 1886), „Krippen“ (Baujahr 1892), „Kurort Rathen“ (Baujahr 1896), „Pirna“ (Baujahr 1898), „Dresden“ (Baujahr 1926), „Leipzig“ (Baujahr 1929).

Kasematten

Ein Blick in Dresdens Unterwelt und auf die Verteidigungsanlagen gestatten die als Museum Festung Dresden (Georg-Treu-Platz 2) zugänglichen Kasematten unterhalb der Brühlschen Terrasse. Neben den eigentlichen Kasematten, den Tonnengewölben für die Verteidigungsmannschaft sowie den Depots für das Kriegsmaterial, sind in dem unterirdischen Areal mit dem Ziegeltor das letzte mittelalterliches Stadttor, zwei Kanonenhöfe, Festungsgänge, Treppenanlagen, Schießscharten, Brückenfundamente und sogar Reste einer Gießerei für Kanonen und Glocken zu sehen. Gegen Angriffe ließ Herzog Georg der Bärtige (1497 – 1539) Dresden zwischen 1520 und 1529 mit einem System breiter Mauern und Wassergräben schützen. In diese integriert waren sogenannte Basteien, halbrunde, in den Graben ragende Verteidigungswerke, die Geschütze trugen. Rund 20 Jahre später erhielt Dresden unter Kurfürst Moritz (1521 – 1553), an den das 6 m hohe und 3 m breite Monument an der Brühlschen Terrasse erinnert, eine Bastionärsbefestigung: Dies war eine Wallanlage mit einem System kleiner Bastionen, die sich gegenseitig durch ihr Geschützfeuer decken konnten. Zum Schutze der Elbe erweiterten  Paul Buchner (1531 – 1607) und Hauptmann Claus Russwurm 1589 bis 1592 die Nordostbastion zur Jungfernbastei. 200 Jahre später ließ Heinrich Graf von Brühl (1700 – 1763) die Kasematten für seinen Garten mit Erde verfüllen. Seit Mitte der 1960er Jahre begannen Ausgrabungen. Heute sind die Kasematten ein staatliches Museum.

Alchemistenlabor Jungfernbastei

Spätestens Anfang 1708 gelang Johann Friedrich Böttger (1682 – 1719) und seinem Forscherkreis in einem Geheimlabor, das in den mächtigen Sandsteinmauern der Festungswerke existierte, die Erfindung des Europäischen Porzellans. Unter dem Tarnnamen „Monsieur Schrader“ brachte man ihn 1707 in die Bastion „Venus“ an der östlichsten Festungsspitze, die seit 1721 den Namen „Jungfernbastei“ trägt. Auf dieser stand ein terrassenartiges, etwa 24 Meter hohes und mit Kupfer gedecktes Lusthaus im italienischen Renaissancestil (1617 – 1653 erbaut). Daneben wurde für den Hofalchemisten ein schlichtes Steinhaus errichtet. Hier hatte der Universalgelehrte Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651 – 1708) die erste silikattechnische Forschungsstätte der Welt gegründet. Hohe Brenntemperaturen wurden an Sonnenspiegeln, Linsenapparaten und Spezialöfen erzeugt. Hier fand  man zunächst das Rezept für das Böttgersteinzeug®. Am 15. Januar 1708 wurde am gleichen Ort die Rezeptur für weißes Porzellan notiert – die Geburtsstunde des Weißen Goldes! Erst im November 1716 ließ Böttger die Brennöfen auf der Jungfernbastei abreißen, wo man quasi nebenbei auch noch Masseversätze und Verfahrensprinzipien für die Delfter Fayence entwickelt hatte. Seit 1982 wird das einstige Labor Jungfernbastei auf der Brühlschen Terrasse durch eine 1,90 m hohe Böttger-Stele von Peter Makolies (geb. 1936) markiert.

Dresdner Kunstakademie

In den Jahren 1887 bis 1894 wurde nach Plänen des Architekten Constantin Lipsius (1832 – 1894) im Stil des Historismus die Königliche Kunstakademie, die heutige Hochschule für Bildende Künste errichtet. Das Dresden dominierende Gebäude besticht durch eine üppige bauplastische Ausschmückung der Nordfassade. Die Sandsteinreliefs und teils vergoldeten Figuren zeigen Motive aus der Kunst- und Kulturgeschichte Europas. Die bekannteste Figur des monumentalen Ensembles ist die 4,8 Meter hohe und 1,7 Tonnen schwere Fama auf der Spitze des Zitronenpresse genannten Baues.


Deutsches Hygiene-Museum

Den Anstoß für die Gründung gab 1911 die I. Internationale Hygiene-Ausstellung (Weltausstellung für Gesundheitspflege auf 320 000 Quadratmeter an der Stübelallee, über 50 Hallen mit Exponaten von 11 Nationen). Der durch das Mundwasser „Odol“ bekannte Fabrikant Karl August Lingner (1861 – 1916) organisierte nicht nur diese Ausstellung, er legte 1912 auch die „Denkschrift zur Errichtung eines National-Hygiene-Museums in Dresden“ vor – die Gründungsurkunde für das Deutsche Hygiene-Museum als Volksbildungsstätte für Gesundheitspflege und die Sammlung „Der Mensch“. Ein erster fester Museumsbau in Zwingernähe, für den 1919 ein Wettbewerb ausgeschrieben war, zerschlug sich durch Verlust des Museums-Kapitals in der Inflation. Für die 1930 geplante II. Internationale Hygiene-Ausstellung errichtete dann Wilhelm Kreis (1873 – 1955) auf 3 Hektar des Blüherparkes von Oktober 1927 bis zur Eröffnung am 16. Mai 1930 das Deutsche Hygiene-Museum (Lingnerplatz 1). Der durch Kopf- und Flügelbauten sphinxhaft gelagerte Monumentalbau (160 000 Kubikmeter umbauter Raum) mit Achsenbeziehung zum Palais im Großen Garten hatte lichtdurchflutete, großzügige Ausstellungsräume mit expressiven Rundfenstern zum Park. Nach der Zerstörung am 13. Februar 1945 erfolgten im Haus zahlreiche bauliche Veränderungen, die unter architektonischer Leitung von Peter Kulka (geb. 1937), der das Gebäude im Wesentlichen auf den Zustand von 1930 zurückführte, entfernt werden. Das der Stiftung Deutsches Hygiene-Museum gehörende Haus verfügt über 30 000 Objekte zur Geschichte der Gesundheitsaufklärung und Gesundheitspflege, von denen biologisch-anatomische Anschauungsmittel wie die „Gläserne Frau“ Berühmtheit erlangten.


Die Herkuleskeule

Italienisches Dörfchen
Birgit Schaller und Rainer Bursche in Café SachsenHans-Ludwig Böhme - Die Herkuleskeule

Kabarett vom Feinsten bietet seit dem ersten Premierenprogramm „Keine Witzbeschwerden“ 1961 das mittlerweile im ganzen deutschen Sprachraum bekannte Berufstheater „Die Herkuleskeule“. Gründer Manfred Schubert (geb. 1924) holte 1970 Wolfgang Schaller (geb. 1940) aus Görlitz als Dramaturg und Autor nach Dresden. Vor allem die vom Autorenteam Schaller und Peter Ensikat (1941 – 2013) verfassten Stücke machten die  Herkuleskeule zu einem der wichtigsten politischen Kabarett-Theater der DDR. Ihre Politrevuen wie „Bürger, schützt eure Anlagen“ wurden an vielen DDR-Theatern nachgespielt und sorgten sogar in der Bundesrepublik für eine Popularisierung des Dresdner Hauses. Noch vor der Maueröffnung gastierte man im saarländischen St. Ingbert und im Münchner Residenztheater. Auch Wolfgang Stumph (geb. 1946), Uwe Steimle (geb. 1963) oder Manfred Breschke (geb. 1952) waren Mitglieder des Ensembles. Seit 1986 ist Schaller künstlerischer Leiter. Ab 1997 ebenfalls Intendant, trat er 2012 die Geschäftsführung an Rainer Bursche (geb. 1949) ab, der diese 2014 an Uwe Klein (geb. 1960) übergab. Heute finden in dem Kabarett-Theater (Sternplatz 1), das nach dem Kulturpalast-Umbau in diesem seine neue Heimat am Altmarkt bekommt, etwa 350 Vorstellungen jährlich statt. Dazu kommen pro Jahr 120 Gastspiele des neunköpfigen Ensembles.


Dresdner Heide

52 Quadratkilometer umfasst Dresdens im Norden der Stadt liegende „grüne Lunge“ – ein großes zusammenhängendes Waldareal (längste OW-Ausdehnung 16 km, NS-Ausdehnung 7 km). Dazu kommen noch sieben Quadratkilometer der Jungen Heide. Als Landschaftsschutzgebiet wurden 2008 durch Einbeziehung ehemals militärisch genutzten Gebietes sogar 6133,2 Hektar ausgewiesen. Vom Ursprung ein Mischwald (u. a. Nadel-Laub-Mischwald, Nadelmischwald, Kiefer-Birken-Wald) ließ die Nutzung als Forstwald Monokulturen (Kiefer und Fichte) gegenüber Laubgehölzen wie Rotbuche und Stieleiche (unter 10 Prozent) dominieren. Die Dresdner Heide erstreckt sich zu 90 Prozent über der Lausitzer Granitplatte. Höchste Erhebung ist der 280,5 Meter hohe Dachsenberg im NO. Der 211 Meter hohe Wolfshügel zwischen Bautzner Straße und Fischhaus beherbergt die Ruine eines 10 Meter hohen Aussichtsturms von Hans Erlwein (1872 – 1914) von 1912, der Anfang Mai 1945 gesprengt wurde. Es existieren zahlreiche Quellen (Schwestern- und Degelequelle im Stechgrund, Melzerquelle im Prießnitzgrund), einige Teiche (Forellenteich bei Langebrück, Kleiner Silbersee bei Klotzsche, Staubecken im Bühlauer Revier) und Bäche wie die 24 km lange Prießnitz (mündet bei der Holzhofgasse in die Elbe), der Stechgrundbach (mündet bei Loschwitz in die Elbe) und der Eisenbornbach (mündet an der Saloppe in die Elbe). Die rechtwinklig zueinander angeordneten Flügel und Schneisen gehen auf  den Forstmann Heinrich Cotta (1763 – 1844) zurück, der bis 1833 dieses Wegesystem als drittes neben zwei älteren schuf. Gehörten in vorgeschichtlicher Zeit Auerochse, Wisent, Elch und Wildpferd zur Fauna (1612 letzter Bär gejagt), zählte man 1932 noch 15 Säugetier-, 56 Vogel-, 6 Kriechtier- und 5 Lurcharten. Seit 1827 verringert sich die Waldfläche z. B. durch Anlage des Hellers (militärisches Übungsgelände). An Gaststätten kennt der Dresdner das Fischhaus (seit 1573), die Heidemühle (seit 1843) und die Hofewiese (seit 1869).